"Wert" eines Euristorica-Wappens

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Budina

"Wert" eines Euristorica-Wappens

Beitrag von Budina » 14.08.2007, 23:57

Liebe Forenteilnehmer,

nach ein wenig Recherche im Internet bin ich auf diese vorzüglichen Seiten gestossen und habe mich angemeldet.

Sollte derlei bereits irgendwo diskutiert worden sein, bitte ich um einen Querverweis und entschuldige die erneute Anfrage.

Mein Vater wird demnächst 60 Jahre alt und soll eine Fahne mit dem "Familienwappen" bekommen.

Da es sich um ein Wappen aus der Euristorica-Feder handelt, stellt sich mir nun die Frage, ob dieses Wappen überhaupt etwas taugt.

Im Band drei ist es registriert. Den genauen Wortlaut kann ich nicht sagen, da ich diesen Band nicht besitze (wie ich gelesen habe, auch nicht zu empfehlen ;-).

Wie muss ich dieses Wappen nun bewerten?

Was ich bisher an Informationen erlesen habe, konnte ich folgendermaßen zuordnen und hoffe, das ist richtig:

- es ist keine direkte Wappenfälschung, da unser Name nicht oft vorkommt (alle noch in Dtl. lebenden Menschen diesen Namens sind definitiv mit uns verwandt und haben kein eigenes Wappen!)

- nirgendwo in diesem Band wird behauptet, wir sind ein altes Adelsgeschlecht, sondern unser Name (zumidnest so ähnlich) wird lediglich als "erwähnt" bezeichnet

UM WAS ES MIR GEHT:

Meinem Vater gefällt der Gedanke ein eigenes Wappen zu besitzen und deswegen hat er dieses gestiftet. Das Wappen ist inhaltlich auch auf die Familie zugeschnitten worden.

Da es uns optisch eigentlich ganz gut gefällt, ist die Frage:
- Kann ich dieses Wappen ernst nehmen oder ist es nicht zu verwenden?
- Sind die heraldischen Grundsätze beachtet?
und die wichtigste Frage:
- Lohnt es sich, eine teure Flagge bedrucken zu lassen oder sollte ich lieber ein neues Wappen entwerfen (lassen)?

Viele Fragen auf einmal für einen Newbie, aber trotzdem...

Vielen Dank für die Hilfe!!!

Michael
Zuletzt geändert von Budina am 15.08.2007, 23:07, insgesamt 1-mal geändert.

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Martin Baier
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Beitrag von Martin Baier » 15.08.2007, 05:26

Hallo Budina,
hier mal ein Link vom HiN:

http://heraldik-wappen.de/viewtopic.php ... sc&start=0

MfG Martin

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Claus J.Billet
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hm...

Beitrag von Claus J.Billet » 15.08.2007, 07:46

@ Budina

Um Ihre Fragen besser Beantworten zu können, wäre es hilfreich, wenn Sie das fragliche Wappen hier einstellen würden.
So hätten die hier tätigen Forums-Mitglieder die Gelegenheit eine entsprechende Stellungsnahme abzugeben und evtl. einen Abgleich vorzunehmen. :!:
www.Wappen-Billet.de
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A.Jacob
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Beitrag von A.Jacob » 15.08.2007, 08:19

Dann mach ich das mal.

Bild

Warum wurde eigentlich Bezug auf das Wappen der Rebhuhn genommen?
Mit freundlichen Grüßen

http://www.wappenkunst.de

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Claus J.Billet
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hm...

Beitrag von Claus J.Billet » 15.08.2007, 08:50

@ Danke Herr Jacob :lol:

So mal auf den ersten Blick:

In der Symbolerklärung wird Bezug zur hessischen Familie "Rebhuhn" aufgeführt, sowie zur deren traditionell geführten Wappen-Farben. :?:
(Eingetragen im hessischen Wappenbuch, liegt mir leider nicht vor )
Dadurch wird eine Verbindung zu dieser alten wappenführenden Familie angedeutet bzw. konstruiert.
Trifft dies überhaupt zu :?:
(Wenn nicht, was ich vermute, hat solches zu unterbleiben.)

In der Zeichnung sitzt der Helm vor dem Schild.
Hier müßte der, rot gefütterte, hintere Teil des Helms auch hinter dem Schild abtauchen.

Adels-Helm :?:
( wird allerdings von einige Wappenrollen geduldet, da ja der Adel abgeschafft wurde.)

Das "grün" im roten Feld läuft zwar der heraldischen Regel:
"nie zwei Farben zusammen"
entgegen, könnte aber wegen Geringfügigkeit geduldet werden.
:lol:
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Budina

Beitrag von Budina » 15.08.2007, 10:14

Hallo :-)

Zuerst einmal vielen Dank für die schnellen Antworten.

@ M. Bayer: Danke für den Link, der hat mich dazu veranlasst, überhaupt an der "Echtheit" / "Legitimation" zu zweifeln.

@ Claus J. Billet: Das Wappen wollte ich einstellen, das Hochladen ging aber nicht (vielleicht weil ich neu angemeldet bin?).

@ A.Jacob: so ausführlich hätte ich es gar nicht einscannen können, da ich das Buch nicht habe. Vielen Dank!

Wenn ich das jetzt richtig zusammenfasse, ist das Wappen an sich nicht soooo falsch, allerdings darf kein Bezug zur hessischen Familie Rebhuhn hergestellt werden (mit denen wir ja auch nichts am Hut haben).

Die Frage ist natürlich, ob das Wappen der Rebhuhns genau so aussieht, dann wäre unseres wohl geklaut. Wenn die Wappen aber nicht direkt identisch sind, dann spricht nichts gegen eine Weiterverwendung, da ja auch unser Namensursprung das Rebhuhn ist. Richtig?

Um in eine Wappenrolle eingetragen zu werden, müsste nur über den Helm und den zweifarbigen Schild (gleiches Feld) nachgedacht werden. Oder?

Derlei Änderungen könnten ja sogar selbst durchgeführt werden, wenn ich die bisherigen Erklärungen über das Erstellen von Wappen richtig deute.

Sollte hier jemand das hessische Wappenbuch besitzen und könnte mir diesbezüglich noch weiterhelfen, wäre ich sehr dankbar. Wir möchten schließlich kein Plagiat an die Wand hängen! :D

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Beitrag von A.Jacob » 15.08.2007, 10:42

Das Wappen Rebhuhn ist im Hessischen Wappenbuch Band 3, Familienwappen 1, auf Seite 107 wie folgt Blasoniert.
In geviertem Schild 1 und 4 ein Rebhuhnkopf, 2 und 3 ein offener Flug, Helm: Rebhuhnkopf zwischen offenem Flug.

Ich Denke, dass auf das im alten Siebmacher gelistete Wappen Rephun von Fersheim (Versheim?)unter dem Rheinischen Adel bezug genommen wurde.
In Silber auf grünen Boden das Rebhuhn. Helm, das Rebhuhn zwischen zwei Büffelhörnern.

Warum wurde Bezug genommen? Verwandtschaft? ansässiges Adelsgeschlecht? etc..
Mit freundlichen Grüßen

http://www.wappenkunst.de

Budina

Kein Bezug!

Beitrag von Budina » 15.08.2007, 11:24

Ein gewollter Bezug wurde meines Wissens nach nicht hergestellt bzw. soll nicht hergestellt werden.
Der Bezug stammt von Euristorica.

Die Familie meines Vaters stammt aus Ostpreußen, im Krieg sind alle Unterlagen verloren gegangen, daher lässt sich ein Bezug zu hiesigen Familien oder gar Adelsgeschlechtern auch nicht herstellen.

Wie gesagt, alle noch lebenden Namensträger lassen sich bis auf einen Herrn, der aber auch keine Ahnenforschung betireben hat und selbst keine Informationen zu seinen Vorfahren hat, auf den gleichen Urgroßvater zurückverfolgen.

Ist unser Wappen dann dem der Rephun / Rebhuhn zu ähnlich und muss geändert werden?
Zuletzt geändert von Budina am 15.08.2007, 23:08, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kein Bezug!

Beitrag von Tekker » 15.08.2007, 13:41

Edit, ich sollte aufmerksamer lesen... :oops:
Forum der Familie Greve
Jeder sollte ein Wappen haben! Bild

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Beitrag von münchnerherold » 15.08.2007, 20:13

Der Bezug zu vorhandenen Wappen ist ein
Übel der Wappenverkäufer.
Er stammt als Verkaufsargument aus der
sogenannten "Wappenforschung".
Zum Schluss nennt man es Wappenaktualisierung.
Ich kenne Leute die machen es heute auch
noch so weil sie sonst nichts verkaufen können.
Das sind die Spezialisten in unserer Branche.
Ich bitte um Entschuldigung für meine direkte
Art.
Freundliche Grüsse,
Kurzmeier MH. :)
Sagen was man denkt, machen was man sagt.

Mitglied bei:
BLF
COMP GEN
DAGV
www.muenchner-wappen-herold.de

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Claus J.Billet
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Beitrag von Claus J.Billet » 15.08.2007, 22:20

@ Budina

Hier muß ich meinem Vorredner, Herrn Kurzmeier, recht geben.

Es ist nicht ganz leicht Ihre Frage zu beantworten.
Das von der "Wappen-Firma Euristorica" gestaltete Wappen nimmt zu sehr Bezug auf ein altes traditionell geführtes Wappen einer völlig anderen Familie.
Hier wird, speziell in der Symbolerklärung, etwas angedeutet was nachweislich so nicht auf Ihre Familie zutrifft, also nicht korrekt ist.
Ihrer ganzen Fragestellung nach, entnehme ich doch, daß Sie sich bei "Ihrem" Wappen unsicher sind und sich dabei nicht besonders wohl fühlen.
Überlegen Sie sich die ganze Angelegenheit nochmals gründlich.
Es wäre sicherlich nicht verkehrt, wenn Sie über eine Neugestaltung nachdenken würden.
Es könnte ja durchaus sein, daß sich nachfolgende Generationen über das von Ihrer Familie jetzt geführte Wappen wundern...und vergeblich nach dem "Adels-Zweig" zu suchen anfängt, der in der Symbolerklärung angedeutet wird.
Und eine Familie, die unter "falscher" Flagge fährt, sich in Andeutungen an eine Adelsfamilie "anlehnt", ist letztendlich genauso "suspekt" wie Ihr Wappen....oder :?:
Sie sollten sich besser nicht mit "Andeutungen" und "Spekulationen" einer sehr fragwürdigen Wappenfirma abgeben.

Sorry, Sie hatten nach unserer Ansicht gefragt...
...dies ist meine rein persönliche Ansicht. :oops:
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Budina

DANKE

Beitrag von Budina » 15.08.2007, 23:04

Mir persönlich hilft das schon sehr weiter.

Genau dieser Eindruck einer an den "Haaren herbeigezogenen" Verwandtschaft bzw. Zugehörigkeit soll ja nicht entstehen.
Dies läge nicht in unserer Absicht.

Nachdem die "grüne Gefahr" , wie sie an anderer Stelle hier im Forum genannt wird :D , aber nicht wirklich ernst genommen wird, kann ich damit leben, dass vorerst alles beim alten bleibt und wir mit diesem Wappen nicht weiter an die Öffentlichkeit gehen.

Wie wir als Nachkommen des Wappenstifters dann damit umgehen, wird sich - nach ausführlicher Recherche im Netzt bzgl. heraldischer Richtlinien - zeigen. Genügend Tipps für ein eigenes Wappen gibt es ja.

Mir wäre nur wichtig, dass zumindest der Stil des Wappens so erhalten bleibt, damit auch eine Verbindung zwischen dem jetzigen - wenn auch falschen - Wappen und einer überarbeiteten Fassung bleibt.
Denn die Gedanken, die sich mein Vater bei der Stiftung des Wappens gemacht hat, sollen nicht unberücksichtigt bleiben.

Hierzu würde ich gerne wieder auf ihre Kompetenzen zurückgreifen.

Denn eines bleibt sicher: ein Wappen ist etwas Besonderes, mit dem man sich gern identifiziert. Daher sollte es auch etwas sein, zu dem man einen eigenen, persönlichen Bezug hat. Soviel habe ich zumindest schon verstanden :)

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