Das Rätsel der Loo (Lohe)-Wappen

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Ulkale

Das Rätsel der Loo (Lohe)-Wappen

Beitrag von Ulkale » 22.01.2005, 23:39

Hallo,ich beschäftige mich seit ca. drei Jahren mit Regionalgeschichte. Unter anderem auch mit der seit 1936 zur Stadtwerdung übernommenen Krampe aus dem Wappen des Adelgeschleches derer von Lohe im Stadtwappen - schwarze "Krampe auf silbernem Grund".Nun sind mir im Laufe der Zeit die unterschiedlichsten Erklärungen begegnet!Klar scheint wohl zu sein, daß es sich um ein redendes Wappen handelt, unklar aber, was das Objekt darstellen soll. Angefangen von Siebmacher im gr. + allg. Wappenbuch B als "Faßeisen" oder "Therrkratzeisen" (Böttcherwerkzeug) und Schafszange über J.B.Rietstab (Amorial General) als "Kesselhaken" oder andere als Wolfsangel oder Pferdeprahme und zuletzt - Herr Joost van dee Loo - 1958 in einem Aufsatz in der "Loo-Kroniek" als Widerhaken / Maueranker erklärt, scheint es wohl von heraldischer Seite eine Menge von Widersprüchen bei der Deutung zu geben...Regulär wird das Objekt nach Siebmacher als Faßeisen bezeichnet.Ich bin durch Zufall auf eine Erklärungsvariante gestossen, an die scheinbar noch niemand gedacht hat und welche sogar durch Fundobjekte nachvollziehbar sein könnte...Ich benötige weiterführende heraldische Fachberatung, da ich an eine Veröffentlichung, auch im Zusammenhang der "Neu"-Interpretation des Stadtnamens (wissenschaftlich belegt) denke.beste GrüßeU.Smerat

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M. Waas
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Beitrag von M. Waas » 23.01.2005, 07:35

Im großen und ganzen ist man sich nicht so einig in der Terminologie.Das französische Crampon des Rietstap muß so ziemlich für alles technische Gerät herhalten. Maueranker, Doppelhaken (Kesselhaken), Wolfangel. Das sind alles Ausdrücke für ein Z-förmiges Gebilde.Wobei der Kesselhaken (siehe Kettler) eigentlich wieder was anderes ist.Büfelhörner werden als "Elefantenrüssel" angesprochen usw.!Wurfparte, Wolfeisen, Wolfangel wird von jedem anders gesehen und auch blasoniert.Was genau im Wappen dargestellt werden sollte, das weiß nur noch der selige Herr Lohe. Wenn es nicht sogar irgendein "redendes" Symbol ist, das mit der heutigen Bedeutung überhaupt nichts mehr zu tun hat, sondern irgendein längst vergessener Dialektausdruck ist.

Gast

Beitrag von Gast » 23.01.2005, 10:41

Hallo,wäre es möglich das Wappen "von Lohe" mal zu sehen.Die Wappen die ich gefunden habe, hatten keine "Krampe" im Schild.mfgThomas Mast

Gast

Beitrag von Gast » 23.01.2005, 11:45

Kann es sein, das dies besagte Faßeisen im Stadtwappen von Marl zu finden ist?

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Markus
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Beitrag von Markus » 23.01.2005, 12:32

Herr Mast, da haben Sie recht:Ich zitiere aus der Homepage der Familie von Loe: "Die Familie von Loë stammt ursprünglich aus dem westfälischen Marl bei Recklinghausen, bis ins 12. Jh. noch unter dem Namen Krampe von Sieckenbeeke.Sie besaß dort die Loeburg (Loe = altdeutsch: Busch, Wäldchen), nach der sie sich später, etwa ab dem 13. Jh. auch benannte.Sehr bald , nachdem Johann van den Loe Schloss Wissen für seinen Sohn Wessel im Jahr 1461 erworben hatte, starb die Familie van den Loe in Marl aus. Auch die Burg wurde in späteren Jahren zerstört, doch zeugt noch heute die "Loemühle" von der Herkunft der Familie.Seit 1461 bildet Schloss Wissen den Stammsitz der Familie und ist somit auch Ausgangspunkt für deren z. T. erhebliche Bedeutung am (unteren) Niederrhein."Weitere Informationen finden sich unter www.schloss-wissen.de
Heraldische Grüße
Markus

Gast

Beitrag von Gast » 23.01.2005, 12:48

Habe noch was zum Faßeisen/Krummeisen gefunden......zum ausglätten der Fässer nach dem Binder.....Wäre durchaus leichter zu erkennen gewesen, wenn man die Griffe mit abgebildet hätte.Durch die Widerhacken am Faßeisen/Krummeisen kommt man da schnell zu falschen Äuserungen wie Wolfseisen/Wolfsangel und der gleichen.Th.Mast
Zuletzt geändert von Gast am 23.01.2005, 15:23, insgesamt 1-mal geändert.

Friedhard Pfeiffer

Wappen Loe

Beitrag von Friedhard Pfeiffer » 23.01.2005, 15:11

Hallo,das Wappen Loe wird wie folgt blasoniert:Siebmacher, Band Bayern, Seite 45, Tafel 45: In Silber eine in Form eines Hufeisens gebogene und unten eingekerbte Klammer. (v. Wolkern nennt die Figur Faßeisen, Fahne nennt es einen Kesselhaken, andere bezeichnen sie als Fischangel, wieder andere als schwarzes mit Spitzen versehenes Band.)Band Baltische Ostseeprovinzen Nichtimmatrikulierte, Seite 113, Tafel 76: In Silber eine schwarze Wolfsangel.Band Preußen, Seite 243, Tafel 293: Auf Weiß ein schwarzes Lohgerbereisen.Band Preußen, Seite 17, Tafel 19: In Silber ein hufeisenförmig gebogenes schwarzes Faßeisen.Die Bezeichnung "Lohgerbereisen" würde am besten zu einem redenden Wappen passen.Mit freundlichen GrüßenFriedhard Pfeiffer

Gast

Beitrag von Gast » 23.01.2005, 15:22

Lohgerbereisen:Eisen um die Rinde eines Busches/Strauches/Gehölz abzuziehen um die darin enthaltenen Gerstoffe zu nutzen.Die Rinde einer Pappel enthält einen Stoff der zu Behandlung von Kopfschmerzen benutzt werden kann.

Gast

Beitrag von Gast » 23.01.2005, 15:56

Hallo,meinen fertigen Antworttext hab´ich leider abgeschossen. Also alles noch mal schreiben...U.Smerataus Marl

Ulkale

Beitrag von Ulkale » 23.01.2005, 17:10

Hallo,es einmal vielen Dank für das rege Interesse an diesem Thema. Leider spielt heute die Technik bei mir nicht so richtig mit und deshalb mein dritte Anlauf.Es gibt auch noch die Bezeichnung als Pferde-Prahme (oben kurz erwähnt), eine Art große Klammer um die Pferde beim Beschlag ruhig zu halten...zu den Vortexten:1. Die Krampe gehört mit zum Stadtwappen von Marl.2. Es soll lt. Literatur zwei Burgen im Stadtgebiet gegeben haben. Burg Strevelsloh und Burg Becklor. Die erste, als Stammburg Haus Lohe bezeichnet, wurde im 19. Jahrhundert verkauft, danach abgetragen und 1968 der Grundriss erfoscht. Wo sich die zweite Burg befunden haben soll,ist bis heute nicht bekannt.3. Es hat zwei Adelsgeschlechter gegeben: um 1000 - ca. 1400 "de Marle(r)" und ab dem 12.Jahrhundert "derer von Lohe".Zum Wappen:Reale Darstellungen sind einige Siegelabdrücke aus dem 14.Jahrhundert, ein Steinfries (Supraporten-Stein)(ca.1618) mit dem Sinnspruch und dem Allianzwappen und eine Gedenkplatte (1619) mit acht Wappendarstellungen der Familien Lohe, Lintloh, Strunckete, Heiden, Graiff, Mulert, Limberog und Langen.Ich halte mittlerweile keine der genannten Krampenbedeutungen für zutreffend. Die "Fetterlock und Falcon" Symbolik der britischen Heraldik hat mich auf eine ganz andere Spur geführt...beste GrüßeU.SmeratMarl

Gast

Beitrag von Gast » 23.01.2005, 17:20

Bei dem Wappen Lohe handelt es sich deffinitief nicht um eine Pferdepramme/Pferdebremse.Aber was sagen die britischen Versionen aus, die sie erwähnt haben?mfgTh.Mast

Ulkale

Beitrag von Ulkale » 23.01.2005, 17:34

Hallo,ja, das mit der Prahme war mir schon klar.Fetterlock:Ich habe die Thematik eines Schnappschlosses einmal aufgegriffen. Die britische Heraldik zeigt eine jüngere Variante mit anhängendem Schlossbügel. Im Mittelalter, und auch vorher war oftmals Schlossbügel und Schlosskasten bei einem Hangschloss getrennt. Und der Federmechanismus befand sich am Bügel - einfach,zweifach oder dreifach Federverschluss..beste GrüßeU.SmeratP.S.solche Schlösser wurden auch als Fussfesseln bei Tieren benutzt!Faß- oder Fesseleisen?

Gast

Beitrag von Gast » 23.01.2005, 20:40

Nachtrag:Die oben genannte Variante ist einerseits durch Funde aus der Wikingerzeit und aus dem Mittelalter nachvollziehbar, andererseits gibt es auch Rekonstuktionsversuche und Nachbauten solcher Schlösser, die sich eigenlich nur Patrizier und Adelige leisten konnten, die damit auch das Schutzbedürfnis ihrer Habe darstellten!Warum wir heute solche Symboliken fast nicht mehr lesen können hängt einfach damit zusammen, daß solche Gegenstände einem Technologiewandel unterliegen, der schon nach 50 - 100 Jahren den eigentlichen Sinn des Piktogramms verwischt.Aber es scheint wohl schwierig zu sein die heraldischen Definitionen der letzten Jahrhunderte zu überarbeiten...U.Smerat

J. v. der Straten

Loe-Lohe-Loo

Beitrag von J. v. der Straten » 24.01.2005, 10:49

Sehr geehrte Herren,gehen Sie doch einfach mal auf www.xs4all.nl/~loo/index.htm. Dort sehen Sie drei Ausführungen des Wappens derFamilie von Loe-van de Loe-van de Loo. Auch ein Besuch auf der Familien Homepage www.vanderloo.org kann nicht schaden, um sich ein Bild zu machen.MfGJ. v. der Straten

v. der Straten

Sorry...

Beitrag von v. der Straten » 24.01.2005, 10:52

... die Homepage Loe/Loe lautet korrekt: www.vanderloo.org/tree

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