Einwohnerverzeichnis für Breslau nach den Klassensteuerrollen 1881 bis 1906

Hier ist der richtige Ort, um über Stammbäume und die Herkunft von Namen zu diskutieren
This is the location to discuss family trees and the origin of names

Moderator: Christian Ader

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Kleinschmid
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Einwohnerverzeichnis für Breslau nach den Klassensteuerrollen 1881 bis 1906

Beitrag von Kleinschmid » 07.01.2019, 10:23

Der nachfolgende Beitrag beschäftigt sich mit der Klassen- bzw. Einkommensteuer-Rolle der Stadt Breslau, die seit Anfang Oktober 2018 vom Staatsarchiv Breslau im Internet veröffentlicht wurde.

Die schlesische Hauptstadt Breslau hat eine enorme Menge von Archivalien gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, aber auch in der direkten Nachkriegszeit verloren. Dazu gehören vor allem evangelische Kirchenbücher und Standesamtsregister. Einem Verzeichnis, das einen großen Teil der Breslauer Einwohnerschaft namentlich sowie zum Teil mit Geburtsdatum und Geburtsort des Steuerzahlers sowie Namen und Alter der Ehefrau und Kinder erfaßt, kommt daher eine größere Bedeutung zu als etwa für München oder Erfurt.

Die sogenannte Klassensteuer gab es in Preußen seit den 1850er Jahren; etwas Vergleichbares war sicher auch in Bayern, Hessen, Sachsen usw. vorhanden und wurde seit den 1870er Jahren dann eben vereinheitlicht im gesamten Deutschen Reich eingezogen. Die dt. Steuergesetzgebung war schon früher recht schwer zu durchschauen. Folgende Angaben mögen daher nur für einen bestimmten Zeitraum (1880er Jahre) Gültigkeit gehabt haben:
Befreit von der Klassensteuer waren: Die über 60jährigen, die unter 16jährigen, die Soldaten bis zum Unteroffizier, die ständig von der Armenfürsorge lebten sowie Gefängnisinsassen. Dazu kommen die über 1000 Taler pro Jahr verdienten. Sie entrichteten die qualifizierte Einkommensteuer, waren jedoch vorsorglich ebenfalls in der Klassensteuerrolle verzeichnet.

Für den Familienforscher ist hier natürlich die Personenstandserhebung von Interesse. Man unterschied die Erfassung auf dem Land und der Stadt. Auf dem Land traute man den Einwohnern das Selbstausfüllen der Formulare nicht zu, so daß dort die Dorfvorsteher u. Gemeindediener alle bewohnten Häuser aufsuchten. Dies sollte um den 12. November geschehen, nicht vor dem 4. und nicht nach dem 25. November. Die so ermittelten Daten kamen zum zuständigen Landrat, wo sie dann erst in die hier vorliegenden Bände eingetragen wurden. Danach taxierte die Steuerschätzungskommission jeden Steuerfall. Anschließend prüften die jeweiligen Bezirksregierungen alles und schickten die Bände wieder an den Landrat zurück, von wo sie nach dem 1. April zum monatlichen Eintreiben der Steuer verwendet wurden. In der Stadt verschickte die Verwaltung frühzeitig die Formulare an die Hauseigentümer, die sie an die Mieter verteilten. Die Haushaltsvorstände waren für das Ausfüllen verantwortlich. Um den 12. November erschienen die Mitarbeiter der Stadt und sammelten die Papiere ein, die anschließend analog zu den Dörfern weiter vom Magistrat der Stadt, der Steuerkommission und der Bezirksregierung bearbeitet wurden. Das System der Steuereintreibung mittels Steuerbezirke, wo also Steuereinnehmer monatlich die Haushalte aufsuchen mußten, wurde in Breslau zum 31. März 1907 eingestellt. Fortan war der Steuerzahler verpflichtet, seine vierteljährliche Steuerschuld in sogenannten Steuerzahlstellen selbst einzuzahlen. Zunächst gab es in Breslau zehn solcher Steuerzahlstellenbezirke.

Die Klassensteuerrolle mußte alljährlich neu erstellt werden. Es ist daher leicht verständlich, daß unmöglich alle Bände aufbewahrt werden konnten. Vermutlich gab es eine Frist von vielleicht zehn Jahren, danach kamen sie in den Reißwolf. Einige Bände wurden aber anscheinend dauerhaft - womöglich für eine statistische Auswertung - aufgehoben. Davon wurden bisher von der Stadt Breslau folgende Jahrgänge veröffentlicht:
1881/82; 1886/87; 1891/92; 1896/97; 1901/02; 1906/07 Teil1; 1906/07 Teil 2.
Zuletzt geändert von Kleinschmid am 07.01.2019, 10:45, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Kleinschmid » 07.01.2019, 10:27

Die veröffentlichten Bände selbst sind weder alphabetisch nach den Familien- noch nach den Straßennamen sortiert. Vielmehr wurden sie nach den sogenannten Steuerbezirken unterteilt und dann erst nach den Straßen sowie den Hausnummern und hier ggf. noch nach geraden oder ungeraden unterschieden. Diese Steuerbezirke mußten fast jährlich an die stark wachsende Breslauer Einwohnerschaft angepaßt werden. Man kann seinen Vorfahren also praktisch nur ermitteln, wenn dessen Adresse in Breslau für das Vorjahr des entsprechenden Steuerjahres bekannt ist. Mit der Adresse läßt sich in den Breslauer Adreßbüchern der Steuerbezirk nachschlagen. Dieser umfaßt 1, 2 oder 3 Bände.

Beispielsweise wurden für das Steuerjahr 1886/87 (genau vom 1. April 1886 bis 31. März 1887) die Personenstandsangaben um den 12. November 1885 erhoben. Ebenso wurden die Daten für die Breslauer Adreßbücher im letzten Quartal des Vorjahres erhoben – also für den Jg. 1886 etwa im Oktober 1885.

Das Verzeichnis der Steuerbezirke für die jeweiligen Hausnummern findet sich im hinteren Teil der Adreßbücher – nachfolgend ein Ausschnitt. Die Adalbertststraße mit den Hausnummern 1-15, 2-20 gehörte in diesem Jahr zum Steuerbezirk 19. Die Bischofstraße gehörte in voller Länge zum Steuerbezirk 9.

Bild

Bedauerlicherweise liegen nicht für jeden der veröffentlichten Steuerjahrgänge auch die entsprechenden Adreßbuchjahrgänge vor. Ggf. muß daher der Jg. davor oder dahinter benutzt werden. Die hier aufgeführten Bücher sind von der Firma Ancestry mit kostenpflichtigem Zugang veröffentlicht worden.

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1881/82

Beitrag von Kleinschmid » 07.01.2019, 10:29

Hier wäre der Adreßbuchjahrgang 1881 zu benutzen, doch befindet sich darin noch kein Verzeichnis der Steuerbezirke. Der nächste verfügbare Jahrgang ist 1883 von Ancestry. Die bisher veröffentlichten drei Steuerbezirke sind:
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1886/87

Beitrag von Kleinschmid » 07.01.2019, 10:32

Der Adreßbuchjahrgang 1886 fehlt bei Ancestry und in dem von der Digitalen Bibliothek in Kattowitz veröffentlichten Jg. 1886 wurde das Steuerbezirksverzeichnis entnommen. Hier daher als Ersatz der Adreßbuchjahrgang 1885 von Ancestry sowie der Jg. 1887 von Ancestry
Die Steuerbezirke 1 bis 6 und 8 bis 41 wurden veröffentlicht.

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1891/92

Beitrag von Kleinschmid » 07.01.2019, 10:33

Adreßbuchjahrgang 1891 von Ancestry.
Alle Steuerbezirke 1 bis 43 wurden veröffentlicht.

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16--16a
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18--18a
19--19a
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23--23a
24--24a
25--25a
26--26a
27--27a
28--28a
29--29a
30--30a
31--31a
32--32a
33--33a
34--34a
35--35a
36--36a
37--37a
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1896/97

Beitrag von Kleinschmid » 07.01.2019, 10:34

In dem von Ancestry veröffentlichten Adreßbuchjahrgang 1896 wurde das Steuerbezirksverzeichnis entnommen. Hier daher als Ersatz der Adreßbuchjahrgang 1895 von Ancestry. Der Adreßbuchjahrgang 1897 fehlt bei Ancestry überhaupt.
Alle Steuerbezirke 1 bis 45 wurden veröffentlicht.

1--1a
2--2a
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5--5a
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8--8a
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24--24a
25--25a
26--26a
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28--28a
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35--35a
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37--37a
38--38a
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43--43a
44--44a
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1901/02

Beitrag von Kleinschmid » 07.01.2019, 10:35

Der Adreßbuchjahrgang 1901 fehlt bei Ancestry. Hier daher als Ersatz der Adreßbuchjahrgang 1900 von Ancestry sowie der Jg. 1902 von Ancestry
Die Steuerbezirke von 1 bis 21 und 23 bis 53 wurden veröffentlicht. Vom Bezirk 22 ist nur der 2. Teilband (22a) vorhanden.

1--1a
2--2a
3--3a
4--4a
5--5a
6--6a
7--7a
8--8a
9--9a
10--10a
11--11a
12--12a
13--13a
14--14a
15--15a
16--16a
17--17a
18--18a
19--19a
20--20a--20b
21--21a
22 fehlt--22a
23--23a
24--24a
25--25a
26--26a
27--27a
28--28a
29--29a
30--30a
31--31a
32--32a
33--33a
34--34a
35--35a
36--36a
37--37a--37b
38--38a
39--39a
40--40a
41--41a
42--42a
43--43a
44--44a
45--45a
46--46a
47--47a
48--48a
49--49a
50--50a
51--51a--51b
52--52a
53

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1906/07 Teil 1

Beitrag von Kleinschmid » 07.01.2019, 10:36

Der Adreßbuchjahrgang 1906 fehlt bei Ancestry. Hier daher als Ersatz der Adreßbuchjahrgang 1905 von Ancestry sowie der Jg. 1907 von Ancestry
Alle Steuerbezirke 1 bis 69 wurden veröffentlicht.

1--1a
2--2a
3--3a
4--4a
5--5a
6--6a
7--7a
8--8a
9--9a
10--10a
11--11a
12--12a
13--13a
14--14a
15--15a
16--16a
17--17a
18--18a
19--19a
20--20a
21--21a
22--22a
23--23a
24--24a
25--25a
26--26a--26b
27--27a
28--28a
29--29a
30--30a
31--31a
32--32a--32b
33--33a--33b
34--34a
35--35a

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1906/07 Teil 2

Beitrag von Kleinschmid » 07.01.2019, 10:37

Der Adreßbuchjahrgang 1906 fehlt bei Ancestry. Hier daher als Ersatz der Adreßbuchjahrgang 1905 von Ancestry sowie der Jg. 1907 von Ancestry
Alle Steuerbezirke 1 bis 69 wurden veröffentlicht.

36--36a
37--37a
38--38a
39--39a
40--40a
41--41a--41b
42--42a
43--43a
44--44a
45--45a
46--46a
47--47a--47b
48--48a
49--49a
50--50a
51--51a
52--52a
53--53a
54--54a
55--55a
56--56a
57--57a
58--58a
59--59a
60--60a
61--61a
62--62a
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66--66a
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Re: Einwohnerverzeichnis für Breslau nach den Klassensteuerrollen 1881 bis 1906

Beitrag von Berlingo » 07.01.2019, 12:59

Super, Herr Kleinschmid! :D

Ich fand -- nach mühevollem Wursteln durch die Angaben "Familienname, Jahresjahr, Straße, gerade oder ungerade Hausnummer und Steuerbezirk" -- schon zwei Treffer zur eigenen Familie! Jetzt gehe ich sukzessive alle Verwandten und Vorfahren durch. Das kann ein bißchen dauern. 8)

1001 dankbare Grüße

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Re: Einwohnerverzeichnis für Breslau nach den Klassensteuerrollen 1881 bis 1906

Beitrag von Kleinschmid » 07.01.2019, 16:47

Prima, freut mich.

Es handelt sich in der Tat um eine wichtige Quelle für die Breslauer Familienforschung. Man muß hier aber zwingend den Weg über die Adreßbücher gehen. Niemand sollte versuchen, einfach mal so in den Bänden nach seinen Vorfahren zu suchen. Die schlesische Hauptstadt hatte um 1900 fast 500 000 Einwohner! Bedauerlich ist eben nur, daß es so wenig frei zugängliche Breslauer Adreßbücher gibt. Die Breslauer Universitätsbibliothek besitzt zwar die größte Sammlung, hat aber bisher nur wenige Jgg. davon kostenfrei ins Internet gestellt. Die andere große Sammlung befindet sich in der Deutschen National Bibliothek in Leipzig, wurde von der amerikanischen Firma Ancestry digitalisiert und kann eben nur mit einem Abo kostenpflichtig eingesehen werden. Allerdings ist ein solches Monatsabo relativ günstig, so daß sich die ganze Sache - es lassen sich ja zusätzlich u.a. Breslauer Standesamtsregister einsehen - in der Regel rechnen sollte.

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