Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

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HFRudolph
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Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von HFRudolph » 09.11.2018, 09:43

Heute ist übrigens - das fällt mir gerade auf - der 100. Jahrestag der Gründung der ersten Deutschen Demokratie.

Aufgrund der überwiegend Feudalismusfreundlichen Beiträge hier im Forum bin ich leicht verunsichert, ob die Wappenführung überhaupt von anderen Menschen möglicherweise als monarchiefreundliche Gesinnung fehlgedeutet wird. Denn was hier in Zusammenhang gebracht wird, gibt es in der Denkweise auch andernorts.
Solche Denkweisen kenne ich bislang eher aus intellektuell einfach gestrickten Gesellschaftsschichten, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Angesichts dieser Interpretationsmöglichkeit bin ich unangenehm berührt.

Ich frage mich mittlerweile auch, was andere noch mit der Wappenführung assoziieren: Die Behauptung eines sozialen Über- und Unterordnungsverhältnisses aufgrund von Geburt? Oder die genetische (also rassische) Vererbung von Eigenschaften und der rational nicht begründete, quasireligiöse Glaube, dass sich das Potential eines Menschen vorrangig aus seiner Abstammung und nicht aus seinen tatsächlich hervortretenden Fähigkeiten ablesen lassen? Denn auf dieser im Grunde rassistischen Fehlvorstellung beruht jedes klassische Feudalsystem! Wird die Wappenfürhung möglicherweise überhaupt als Ausdruck verfassungsfeindlicher Gesinnung interpretiert? Das alles wäre mir sehr unangenehm, wenn das überhaupt möglich wäre - vielleicht auch weil solche Verbindung von anderen wappenführenden Personen gerade hergestellt wird?

Bei der Gemeinschaft wappenführender Familien (bei der ich ja immerhin seit mittlerweile 10 Jahren gesperrt bin) darf nicht über Politik und nicht über Religion diskutiert werden. Nur ist nichts unpolitisch, schon gar nicht die Wappenführung. Mir fällt das immer mehr auf, dass gerade solche selbst auferlegten Redeverbote Ausdruck ganz bestimmter politischer Haltungen sind.

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Jochen
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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von Jochen » 09.11.2018, 10:13

HFRudolph hat geschrieben:
09.11.2018, 09:43
....
Ich frage mich mittlerweile auch, was andere noch mit der Wappenführung assoziieren: Die Behauptung eines sozialen Über- und Unterordnungsverhältnisses aufgrund von Geburt? Oder die genetische (also rassische) Vererbung von Eigenschaften und der rational nicht begründete, quasireligiöse Glaube, dass sich das Potential eines Menschen vorrangig aus seiner Abstammung und nicht aus seinen tatsächlich hervortretenden Fähigkeiten ablesen lassen? Denn auf dieser im Grunde rassistischen Fehlvorstellung beruht jedes klassische Feudalsystem! Wird die Wappenfürhung möglicherweise überhaupt als Ausdruck verfassungsfeindlicher Gesinnung interpretiert? Das alles wäre mir sehr unangenehm, wenn das überhaupt möglich wäre - vielleicht auch weil solche Verbindung von anderen wappenführenden Personen gerade hergestellt wird?
....
Ich glaube, die meisten Leute ticken relativ einfach. Wenn überhaupt, habe ich lediglich wahrgenommen, daß ein Wappen mit Adel in Verbindung gesetzt wird - oder dem Wunsche, dem Adel entsprossen zu sein.

Das einzige Unbehagen, das ich persönlich bei solchen Mißverständnissen oder Fehlassoziationen empfände, wäre, daß der Ruf der Heraldik insgesamt Schaden erleiden könnte. Ob man mich persönlich fälschlicherweise irgendwelcher zweifelhafter Gesinnung verdächtigte, würde mich gut schlafen lassen....

Für ausgesprochen politische Beiträge, aber auch für andere nichtheraldische oder nichtgenealogische Themen f#nde ich eine extra Ecke des Forums gut. Leider ist es noch nicht dazu gekommen, eine solche einzurichten.
Alles Gute all jenen, die Gutes im Schilde führen !

jochen

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Tejas552
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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von Tejas552 » 09.11.2018, 11:01

HFRudolph hat geschrieben:
09.11.2018, 09:43
Heute ist übrigens - das fällt mir gerade auf - der 100. Jahrestag der Gründung der ersten Deutschen Demokratie.

Aufgrund der überwiegend Feudalismusfreundlichen Beiträge hier im Forum bin ich leicht verunsichert, ob die Wappenführung überhaupt von anderen Menschen möglicherweise als monarchiefreundliche Gesinnung fehlgedeutet wird.
Jetzt verwechselst du aber was. Feudalismusfreundliche Beiträge hast du weder von mir noch von Markus oder GM gelesen. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass eine konstitutionelle Monarchie per se keinen Verstoss gegen die Menschenwürde darstellt.



HFRudolph hat geschrieben:
09.11.2018, 09:43
Denn was hier in Zusammenhang gebracht wird, gibt es in der Denkweise auch andernorts.
Solche Denkweisen kenne ich bislang eher aus intellektuell einfach gestrickten Gesellschaftsschichten, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Angesichts dieser Interpretationsmöglichkeit bin ich unangenehm berührt.
Ich weiss nicht was diese Anspielungen bedeuten sollen. Wenn Dich Deine Interpretationen unangenehm berühren, solltest Du vielleicht nachfragen was gemeint war und allfällige Missverständnisse aus dem Weg räumen, so dass Du nicht mehr auf Interpretationen angewiesen bist.


HFRudolph hat geschrieben:
09.11.2018, 09:43

Ich frage mich mittlerweile auch, was andere noch mit der Wappenführung assoziieren: Die Behauptung eines sozialen Über- und Unterordnungsverhältnisses aufgrund von Geburt? Oder die genetische (also rassische) Vererbung von Eigenschaften und der rational nicht begründete, quasireligiöse Glaube, dass sich das Potential eines Menschen vorrangig aus seiner Abstammung und nicht aus seinen tatsächlich hervortretenden Fähigkeiten ablesen lassen? Denn auf dieser im Grunde rassistischen Fehlvorstellung beruht jedes klassische Feudalsystem! Wird die Wappenfürhung möglicherweise überhaupt als Ausdruck verfassungsfeindlicher Gesinnung interpretiert? Das alles wäre mir sehr unangenehm, wenn das überhaupt möglich wäre - vielleicht auch weil solche Verbindung von anderen wappenführenden Personen gerade hergestellt wird?
Der Wunsch zur Wappenführung entspringt unterschiedlichen Zielsetzungen und der eine oder der andere möchte damit sicher seiner Familie ex post einen adeligen Anstrich verpassen. Dazu sage ich nur: na und?

Denen die Behaupten, dass ihre Wappenstiftung und Wappenführung nicht auch zumindest eine kleine "Veredlung" ihrer Familie mit sich bringen soll, nehme ich dass nicht ab. Ich denke hier sollte man ehrlich sein.

Könige und Kaiser (mal abgesehen von zahlreichen Adelsfamilien) haben sich in der Vergangenheit zum selben Zweck zum Teil fantastische Genealogien basteln lassen die nichts mit der Realität zu tun hatten. Das Streben nach mehr liegt in der Natur des Menschen und ist ein wichtiger Antrieb der Zivilisation.

HFRudolph hat geschrieben:
09.11.2018, 09:43

Bei der Gemeinschaft wappenführender Familien (bei der ich ja immerhin seit mittlerweile 10 Jahren gesperrt bin) darf nicht über Politik und nicht über Religion diskutiert werden. Nur ist nichts unpolitisch, schon gar nicht die Wappenführung. Mir fällt das immer mehr auf, dass gerade solche selbst auferlegten Redeverbote Ausdruck ganz bestimmter politischer Haltungen sind.
Solche Andeutungen sind nicht hilfreich. Die Wappenführung ist nicht politisch. Ich glaube nicht, dass eine nennenswerte Zahl an Wappenstiftern oder Wappenträgern damit monarchistische Neigungen zum Ausdruck bringen will. Und nochmals, bevor es untergeht, eine konstitutionelle Monarchie kann mit unserem Demokratieverständnis völlig konform sein. Konstitutionelle Monarchen haben sich nicht selten als identitätsstiftend, einend und stabilisierend erwiesen.

Gruss
Dirk

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GM
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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von GM » 10.11.2018, 10:29

An einer meiner Wände hängt (neben zahlreichen Wappendarstellungen) eine Abbildung der Kathedrale von Winchester.
Vorsichtshalber versichere ich hiermit ausdrücklich, mich nicht für ein Primat der englischen Hochkirche einzusetzen !

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Markus
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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von Markus » 10.11.2018, 17:04

Ich zitiere mich selber, und zwar aus meiner Declaration vom 02.03.2013: "Weltanschauliche, politische oder religiöse Themen haben in diesem Forum nur dann etwas verloren, wenn sie in Bezug zum Wappenwesen stehen."
Heraldische Grüße
Markus

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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von Gerd H.z.B. » 10.11.2018, 18:47

HFRudolph hat geschrieben:
09.11.2018, 09:43
Bei der Gemeinschaft wappenführender Familien (bei der ich ja immerhin seit mittlerweile 10 Jahren gesperrt bin) ...
Wenn ich das richtig gelesen habe, war die Sperre für drei Monate mit Kontolöschung, so dass eine Neuregistrierung möglich ist.

http://www.gemeinschaft-wappenfuehrende ... 861#p55663
Mit Grüssen Gerd
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HFRudolph
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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von HFRudolph » 11.11.2018, 19:17

Vom Prinzip her, ging es darum, dass es einen subjektiven Gehalt gibt, den wir unserem Wappen zuschreiben, und einen objektiven, von unserer Vorstellung unabhängigen Aussagegehalt. Beides muss nicht zwangsläufig übereinstimmen.

Rein subjektiv sehe ich zwischen Adel und meinem Wappen keinerlei Zusammenhang und zumindest dann keinerlei objektiven Aussagegehalt, wenn das Wappen erkennbar im Zusammenhang mit meinem Namen verwendet wird, der unzweifelhaft kein Aldelsname ist; es mag zwar auch Adelsfamulien ohne ein „von“ geben, nur kann man mit dem einfachen Nachnamen und der Verwendung eines Wappens ohne feudalistische Unterdrücksungssymbole keinen Zusammenhang zum Adel herstellen.

Allerdings gibt es eine Assoziation Helm-> Ritter -> Adel. Das wäre dann insofern ggf. Grund, das Oberwappen wegzulassen.

Familie zu „pimpen“ sehe ich so auch subjektiv nicht, sondern eher den Ausdruck eines persönlichen Selbstverständnisses; es geht auch um Familienzusammenhalt, eine Art Markenzeichens und eine Designelement. Die graphische Ausdrucksmöglichkeit wäre auch durch ein Monogramm oder ein sonstiges Zeichen denkbar, z. B. das hier:
Bild
Das wurde z. B. auch unter expliziter Erklärung, dass dies kein politisches Zeichen ist, von der Moderation der GwF als politisch oder entsprechend eingestuft; kurz: meine subjektive Wahrnehmung davon steht in extremem Kontrast zur Außenwahrnehmung, möglicherweise auch dem objektiven Aussagegehalt, was ich beim Wappenwesen in gewisser Weise auch befürchte, dass wir alle nämlich ein anderes Vorstellungsbild davon haben, was Wappen aussagen. (Wobei das Zeichen ja nun so abstrakt ist, dass ihm jedes Über- Unterordnungsverhältnis objektiv gar nicht zuzuweisen ist). Dieses Auseinanderklaffen von Außenwahrnehmung und Selbstwahrnehmung war in Bezug auf das Zeichen einer der wichtigsten Gründe, auf den eher klassischen Wappenbereich umzuschwenken.

Weiter gibt es aber in Verbindung mit den Wappen eine Tendenz zum Nichtfortschrittlichen (ich will nicht antifortschrittlich sagen), aber jedenfalls ein nichtprogressives Element. Bis vor einigen Jahren hatte z. B. der Herold noch eine grundsätzliche Verweigerung der Nichteintragung von Führungsberechtigungen, die nicht auf „im Mannesstamm“ lauteten, obwohl damit gerade ein willkürlicher Ausschluss ganzer Personengruppen eintrat (um nicht zu sagen eine Diskriminierung derselben), denn damit ging einher, die Nachkommen, die nicht den Namen des Mannes trugen, auch von der Wappenführung des Familienwappens der Mutter auszuschließen und sie sozusagen als nicht familienzugehörig zu diskreditieren (Bastard, wie manche Heraldiker noch heute sagen, ohne sich zu schämen). Der Herold hat das zwischenzeitlich korrigiert und das spricht wirklich für ihn. Allerdings hat das auch jahrelang unzählige Personen politisch überhaupt nicht tangiert; solche Dinge wurden widerspruchslos akzeptiert, auch Anfang des 21. Jahrhunderts und der damalige Aussagegehalt wirkt in der ganzen Szenerie noch unausgesprochen nach. Die Tendenz, solche Themen auch nach 1948 im Prinzip Jahrzehnte nicht anzurühren und unausgesprochen zu tolerieren und fortzusetzen sind ein Teil des ethischen Aussagegehalts, der mit der Wappenführung verbunden ist.

Diesen antiprogressiven Geist - etwas nicht rational zu hinterfragen, weil es schon immer so wahr oder gar „Tradition“ ist, sehe ich als äußerst problematisch in vielen Bereichen und ich fürchte, dass wir in der Außenwahrnehmung genau soetwas verkörpern, eine Orientierung am Vergangenen. Da ist etwas Gartenzwergartiges, das wir selbst nicht sehen, weil der von uns selbst gesehene Aussagegehalt immer etwas Subjektiv-Idealistisches ist (im Kontrast zum Konkret-Realen, auch im philosophischen Wortsinne).

Letztendlich resultiert daraus eine gewisse Vorsicht im Umgang mit Wappen und eine Warnung (an mich selbst), dies selbst zu hinterfragen.

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Frank Martinoff
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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von Frank Martinoff » 11.11.2018, 21:25

@ HFRudolph
... entweder bist du n'Mensch der sich gerne verunsichern lässt, oder du verunsicherst gerne ... anstatt Heraldik allgemein aufzuwühlen, solltest du dir eher Sorgen machen, dass durch die Hilfe aller Parteien, Deutschland nicht noch tiefer in den aufblühenden Feudalismus abstürzt.... !!! :ironie:


.... und ich rede hier nicht von der neuen "rechten" Bewegung, denn das, unterstützt und verursacht von allen Parteien, geht schon seit Jahrzehnten so .... !!!

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GM
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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von GM » 12.11.2018, 22:47

Jochen hat geschrieben:
09.11.2018, 10:13
[...] Für [...] andere nichtheraldische oder nichtgenealogische Themen f#nde ich eine extra Ecke des Forums gut. Leider ist es noch nicht dazu gekommen, eine solche einzurichten.
Dann wird das jetzt mal langsam Zeit 8) .

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HFRudolph
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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von HFRudolph » 13.11.2018, 08:41

Der Forenleitung Dank für ihre Geduld.

I.
Nun eine positivere Wertung, da sie ansonsten wohl ausbleibt: Meiner Ansicht nach gibt es nur Sinn, die eigenen, persönlichen positiven Eigenschaften in ein Wappen hineinzuinterpretieren und das Wappen als entsprechende Aussage zu verstehen (Ethik, Charakter, Fähigkeiten pp). Nur so kann ein Wappen positiv besetzt sein.

Familienübergreifende Eigenschaften wie Eigentum oder Stellung der Familie, Ansehen der Familie aufgrund von Status innerhalb der Gesellschaft oder feudal begründetes soziales Vorrecht hinein zu nehmen, laufen ethisch immer darauf hinaus, quasifeudale Statusvorteile einzufordern. Wappen als Herrschaftselement im sozialen Über- und Unterordnungsverhältnis einzusetzen ist immer verwerflich. Das sind die denkbar negativsten Elemente adliger und patrizischer Ethik.

Die positiveren Elemente muss jeder bei sich selbst finden. Man sollte nur das in das Wappen hineininterpretieren, was man selbst tatsächlich an positiven Elementen verkörpern kann. Eine Show abzuziehen, mehr suggerieren zu wollen, als man ist oder mehr sein zu wollen als man charakterlich sein kann, die Familie zu pimpen, das ist komplett abzulehnen. Soetwas hält nicht vor und ist von ganz simpel zu durchschauen und wirkt negativ zurück.

Es kann also nur um eine Realisierung der positiven Elemente im Hier und Jetzt gehen - auch nicht, was man vielleicht werden könnte oder werden möchte. Ich habe mal irgendwo gelesen, Wappen seien Prunkstücke. Zum Rumprotzen, wie das Auto vor der Tür - dem Grunde nach barockes Gedankengut. Das geht so lange gut, bis die Person merkt, dass sie nackt ist. Nackt an Ethik, Charaktereigenschaften oder einem Wert als Person aus sich selbst heraus.

II.
Und: wenn sich Herdldik tatsächlich einmal als Hilfswissenschaft verstehen würde, dann müsste man erkennen, dass die hier genannten Fragestellungen und Probleme unmittelbar zur Herdlik gehören. Das wäre einmal ein guter Ansatz, dahin zurück zu kehren, auch in Bezug auf die „Heraldischen Regeln“ (welche auch immer) einmal mit Rationalität und Beweisführung darzulegen, warum was so sein sollte: wobei die bloßen Anweisungen von Wappenrollen insofern überhaupt kein Argument sind.

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Tejas552
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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von Tejas552 » 13.11.2018, 13:23

HFRudolph hat geschrieben:
13.11.2018, 08:41
Der Forenleitung Dank für ihre Geduld.

I.
Nun eine positivere Wertung, da sie ansonsten wohl ausbleibt: Meiner Ansicht nach gibt es nur Sinn, die eigenen, persönlichen positiven Eigenschaften in ein Wappen hineinzuinterpretieren und das Wappen als entsprechende Aussage zu verstehen (Ethik, Charakter, Fähigkeiten pp). Nur so kann ein Wappen positiv besetzt sein.
Mir ist das alles viel zu kopflastig.

Ein Wappen ist einfach nur ein "Zeichen" einer Familie. Es ist nicht das Zeichen eines einzelnen Familienmitglieds, sondern aller Familienangehörigen des selben Namens. Es ist ein visuelles Pendent zum Familiennamen. Die Charaktereigenschaften eines einzelnen Familienmitglieds eignen sich nicht als Grundlage fürs Wappen, wenn sich damit die Familie als Ganzes nicht identifizieren kann.

Ein Wappen besteht unbestreitbar aus mittelalterlichen Waffen - den typischen Waffen eines einstmals privilegierten Standes in der Feudalgesellschaft. Diese Waffen wurden später von Bürgern übernommen, weil diese den Rittern nacheiferten; weil sie so sein wollten wie die Ritter. Die Annahme eines bürgerlichen Wappens verlieh dem Bürger im Spätmittelalter einen ersten Anstrich einer adelsähnlichen Stellung.

HFRudolph hat geschrieben:
13.11.2018, 08:41
Familienübergreifende Eigenschaften wie Eigentum oder Stellung der Familie, Ansehen der Familie aufgrund von Status innerhalb der Gesellschaft oder feudal begründetes soziales Vorrecht hinein zu nehmen, laufen ethisch immer darauf hinaus, quasifeudale Statusvorteile einzufordern. Wappen als Herrschaftselement im sozialen Über- und Unterordnungsverhältnis einzusetzen ist immer verwerflich. Das sind die denkbar negativsten Elemente adliger und patrizischer Ethik.

Das klingt für mich zu sehr von oben herab gepredigt. Ich bleibe bei meiner Einschätzung: Wer heute ein Wappen stiftet und führt, der möchte damit auch sich und seine Familie ein klein wenig "veredeln". Andere tun dies in ihrem Umfeld mit Tätowierungen, Piercings, teuren Uhren oder grossen Autos. Dies muss überhaupt nicht heissen, dass er andere herabsetzten will, aber der Mensch strebt nun mal nach Höherem, auch relativ gesehen zu seinem Nachbarn.

Wer das abstreitet und sogar noch behauptet, mit seiner Wappenstiftung hehre Ziele von Gleichheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit zu verfolgen, dem nehme ich das nicht ab. Wenn es wirklich so wäre, würde er einfach kein Wappen führen und fertig.

HFRudolph hat geschrieben:
13.11.2018, 08:41
Die positiveren Elemente muss jeder bei sich selbst finden. Man sollte nur das in das Wappen hineininterpretieren, was man selbst tatsächlich an positiven Elementen verkörpern kann. Eine Show abzuziehen, mehr suggerieren zu wollen, als man ist oder mehr sein zu wollen als man charakterlich sein kann, die Familie zu pimpen, das ist komplett abzulehnen. Soetwas hält nicht vor und ist von ganz simpel zu durchschauen und wirkt negativ zurück.
Ich sehe auch das komplett anders. Man kann die positiven Elemente auch als Ansporn und Ziel verstehen. Gerade weil die Familienmitglieder in der Vergangenheit häufig unüberlegt und unbedacht gehandelt haben könnte das Wappenmotiv oder das Wappenmotto zu "Ruhe und Geduld" ermahnen. Irgendwelche Regeln, was man sollte und was man nicht sollte sind hier völlig fehl am Platz.


HFRudolph hat geschrieben:
13.11.2018, 08:41
Es kann also nur um eine Realisierung der positiven Elemente im Hier und Jetzt gehen - auch nicht, was man vielleicht werden könnte oder werden möchte. Ich habe mal irgendwo gelesen, Wappen seien Prunkstücke. Zum Rumprotzen, wie das Auto vor der Tür - dem Grunde nach barockes Gedankengut. Das geht so lange gut, bis die Person merkt, dass sie nackt ist. Nackt an Ethik, Charaktereigenschaften oder einem Wert als Person aus sich selbst heraus.
Mann-o-Mann, Du trägst aber wirklich dick auf. Wappen sind genau das - Prunkstücke. Zierden, Kleinodien und Prunkstücke sind nicht umsonst geläufige Begriffe aus der Heraldik um Elemente des Wappens zu benennen. Das Wappen soll dem Träger eine Zierde sein.

Kann es sein, dass Du Dich mit Deinen Moralisierungen über andere erheben willst? :wink: - Nichts für ungut.

Gruss
Dirk
Zuletzt geändert von Tejas552 am 13.11.2018, 14:31, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von Jochen » 13.11.2018, 14:17

Man kann über alles reden - nur nicht über die Pause. Man kann alles schreiben - nur nicht über eine Seite.
Alles Gute all jenen, die Gutes im Schilde führen !

jochen

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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von Markus » 13.11.2018, 15:29

Man kann über alles predigen, nur nicht über 7 Minuten.

Mir ist egal, wie lange Ihr schreibt, Hauptsache, Ihr vertragt Euch :!:
Heraldische Grüße
Markus

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GM
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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von GM » 13.11.2018, 19:04

„Wenn e Wappen sich lohne däht, Du jlöövs nit wievell Wappen ich hätt!“ (frei nach BAP)

Wappen hier (good old Germany) und heute (13.11.2018) sind doch - sorry folks - eher Arabesken.
Hübsch anzusehn - wenn‘s gut geht - und ein Zeichen dafür, daß jemand sich über die Schultern, auf denen er steht und die „Früchte“, die an einem hängen, Gedanken gemacht hat - u.U. auch noch der „Schmuckaspekt“ (Neustiftung).
Führt man(n) - und mittlerweile auch Frau - ein ererbtes Wappen weiter, dann läßt sich das als Wertschätzung der „Schultern“ verstehen und vielleicht noch als Bekenntnis zu den Werten der Familie - that‘s it, nicht mehr und nicht weniger.
Kein Grund also - IMHO - für tiefschürfende Betrachtungen unter besonderer Berücksichtigung von political correctness.
So: Love it or leave it (habe heute meinen „englischen Tag“ :wink: ) und einen schönen Abend noch.

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HFRudolph
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Re: Konkludente Aussagegehalte der Wappenführung

Beitrag von HFRudolph » 14.11.2018, 09:14

@GM: Ausgangspunkt war (im anderen Thread) das College of arms, die „Queen“, also ob wir die Ethik vertreten, dass alle „Gleich an Würde und Rechten geboren“ sind (Artikel 1 der Europäischen Menschenrechtskonventionen von 1948).

Verbindet man jetzt ethische Aussagegehalte mit der Wappenführung, die damit in Widerspruch stehen - feudale Vorrechte per Geburt, Vorrecht aufgrund von Familienzugehörigkeit, mehr Wertsuggestion aufgrund von Wappenführung und so weiter - ja dann brauchen wir uns auch nicht beschweren, wenn wir uns in England mit dem College of arms konfrontiert sehen (da fängt es an) und dann dürfen wir uns aber auch nicht beschweren über das Monaco-Regime oder dasjenige der Monarchie Nordkorea, bloß weil uns zufällig gerade das Ergebnis nicht passt, dass der König produziert.

Das eine baut logisch auf dem anderen auf. Vom Prinzip her kannst Du nicht einmal logisch begründen, warum sich jemand ein Wappen schaffen können soll, wenn man sich der Grundlage von allem entledigt. Ethische Aussagen sind immer abstrakte, argumentative Aussagen, deshalb gelten sie auch dann für England, wenn sie aus Deutschland kommen. Nur um einmal ein anderes Beispiel aus dieser Diskussion aufzugreifen: Wenn Du einerseits die Würde der Familie herausgreifst und darauf beruhend eine besondere Achtung (Deiner Person) einforderst (oder das zu suggerieren versuchst…), kannst Du andererseits nicht gut gegen Sippenhaft und Kollektivschuld agrumentieren. Mit dem einen kaufst Du das andere ein, weil es damit zwangsläufig verbunden ist (Korollarium).

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