V mit Krone auf Jagdflinte

Ihre Fragen zur Heraldik sind hier willkommen
Your questions concerning heraldry are welcome here

Moderatoren: Markus, Christian Ader

Antworten
Seehund

V mit Krone auf Jagdflinte

Beitrag von Seehund » 17.04.2012, 21:16

Hallo zusammen. Bei der Suche nach Informationen über unten abgebildetes Wappen bin ich auf dieses Forum gestossen. Das Wappen ist gold in den Abzugsbügel einer ausgesprochen luxuriösen Jagdflinte aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eingelegt und lässt laut einem Experten auf den Erstbesitzer der Waffe schließen. Die Waffe ist ein Erbstück und jede Information ist mir willkommen.

Bild

Vielen Dank und Gruß aus Österreich,
Valentin

Benutzeravatar
Jochen
Mitglied
Beiträge: 4641
Registriert: 23.11.2004, 22:57
Wohnort: Freie und Hansestadt Hamburg

Beitrag von Jochen » 17.04.2012, 21:30

Moin !

Das ist kein Wappen, sondern ein Monogramm. Und mit "V" beginnen viele Namen....

Die Krone ähnelt ein wenig der heraldischen Königskrone, die v.Volborth den kurzlebigen Königreichen von Napoléons Gnaden Westphalen oder Spanien zuschreibt.

Aber weder auf Jérôme noch Joseph trifft das "V" zu (und ich habe eine solche Krone selbst auch noch nicht gesehen...)
Alles Gute all jenen, die Gutes im Schilde führen !

jochen

Seehund

Beitrag von Seehund » 17.04.2012, 22:26

Danke für die Erklärung! Ich würde den Herstellungszeitraum der Flinte auf ca. 1870 +/- ansetzen. Von dem her kommt Westphalen auch zeitlich nicht in Frage.

Gruß,
Valentin

Benutzeravatar
Jochen
Mitglied
Beiträge: 4641
Registriert: 23.11.2004, 22:57
Wohnort: Freie und Hansestadt Hamburg

Beitrag von Jochen » 17.04.2012, 23:06

Hm....

Sie werden dies zweifellos bereits unternommen haben... aber ich frage trotzdem mal nach:

Was sagt denn der "Büchsenmacher Ihres Vertrauens" zu der Waffe?
Alles Gute all jenen, die Gutes im Schilde führen !

jochen

SR-7v
Mitglied
Beiträge: 680
Registriert: 26.07.2011, 11:30

Beitrag von SR-7v » 18.04.2012, 06:59

Seehund hat geschrieben:Danke für die Erklärung! Ich würde den Herstellungszeitraum der Flinte auf ca. 1870 +/- ansetzen.
Hallo Valentin!
Ich gehe doch davon aus, daß mit der Waffe verantwortungsvoll umgegangen wurde und sie dementsprechend von den zuständigen Behörden geprüft wurde. Wie lautet das Beschußzeichen?

Irmgard
Mitglied
Beiträge: 711
Registriert: 21.10.2007, 12:44

Beitrag von Irmgard » 18.04.2012, 08:35

die Krone ist eine einfache schematische Darstellung einer Großherzogskrone bzw. einer modernen Königskrone, womit die Waffe zu einem Regiment gehörig sein dürfte.
Das V ist dann nicht der Anfangsbuchstabe des Trägers - weder der Waffe, noch der Krone.

Wenn man die Waffe kennt (Stil und Fertigung) wird sich die Herkunft sicher besser eingrenzen lassen.

Zeige sie einem geeigneten Museum .. vielleicht ist sie bei dem guten Zustand ja auch nur ein Dekostück ;-) V= Victory?

netten Gruß
Irmgard

Benutzeravatar
Gernot
Mitglied
Beiträge: 51
Registriert: 14.04.2009, 12:47

Beitrag von Gernot » 18.04.2012, 08:51

Irmgard hat geschrieben:die Krone ist eine einfache schematische Darstellung einer Großherzogskrone bzw. einer modernen Königskrone, womit die Waffe zu einem Regiment gehörig sein dürfte.
Das V ist dann nicht der Anfangsbuchstabe des Trägers - weder der Waffe, noch der Krone.
...
;-) V= Victory?
Oder es ist eine 5? 5. Regiment?

Irmgard
Mitglied
Beiträge: 711
Registriert: 21.10.2007, 12:44

Beitrag von Irmgard » 18.04.2012, 09:16

sehr guter Gedanke!

aber ich habe mir mal das "Infanterie-Regiment Großherzog von Sachsen (5. Thüringisches) Nr.94" angesehen
http://wiki-de.genealogy.net/Datei:288- ... II.Btl.jpg

hier zeigt man den Buchstaben des jeweiligen Herrschers auf der Fahne ..

Seehund

Beitrag von Seehund » 18.04.2012, 09:56

Hallo! Danke für die zahlreichen Anregungen.
Nach der Reihe: Mein Büchsenmacher hat mich an einen Experten in Wien verwiesen, der die Waffe nächste Woche anschauen wird.
Selbstverständlich wird mit der Waffe verantwortungsvoll umgegangen. Kleine Erklärung: Die Waffe fällt unter die Ausnahmebestimmung des § 45 WaffG (antike Waffe) und ist in Österreich daher frei erwerbbar.
Beschuss: einmal ein österreichischer Beschusstempel mit Doppeladler sowie auf jedem Lauf ein GR mit Krone für den Hersteller (Gastinne Renette).

Gestern habe ich noch die Läufe herausgenommen. Das genaue Herstellungsjahr ist eingestempelt (1864).

Irmgard: Das erscheint mir unwahrscheinlich, da Schrotflinten beim Militär nicht verwendet wurden. Es handelt sich um ein reines Jagdgewehr, das zudem sehr aufwendig graviert ist und ein ausgesprochenes Luxusprodukt ist (ich habe eine kleine Sammlung antiker Waffen und kenne mich ein bisschen damit aus).

Falls es jemanden interessiert, hier ein Thread zu meiner Waffe:
http://www.shotgunworld.com/bbs/viewtop ... 5&t=290214

Ich gehe also doch davon aus, dass das Monogramm zum Erstbesitzer gehört.

Schöne Grüße,
Valentin

hospes
Mitglied
Beiträge: 61
Registriert: 16.04.2011, 20:07
Wohnort: Hessen

Beitrag von hospes » 18.04.2012, 10:00

Hallo zusammen,
das "Wappen" hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Namenszug des Füsilier-Regiment Nr.34 (siehe Abb. links):
Bild
... welches ab 1860 Füsilier-Regiment Königin Viktoria von Schweden (Pommersches) Nr.34 hiess!
Nur fehlen die drei kleinen Krone, es kann aber sein dass das Regiment in frühen Jahren auch einen vereinfachteren Namenszug (ohne die Kronen) trugen (*)!??

Es gab noch ein 2. Leib-Husaren-Regiment Königin Viktoria von Preußen Nr.2 die aber erst 1888 den bekrönter Namenszug "V" trugen,
daher dürfte man dieses ausschliessen!

Die Waffe könnte z. B. ein Abschiedsgeschenk an einen hohen Offizier gewesen sein!???

(*) Meine Tipp wäre, das Sie sich evtl. beim Wehrgeschichtlichen Museum in Rastatt dazu erkundigen: http://www.wgm-rastatt.de
(aber auch mit Bilder, die die komplette Waffe zeigen!)
;) Gruss Jens

SR-7v
Mitglied
Beiträge: 680
Registriert: 26.07.2011, 11:30

Beitrag von SR-7v » 18.04.2012, 10:27

Leider kann ich auf den Bildern nicht erkennen, ob es sich um eines der beiden heute noch existierenden Beschußämter handelt. Auch bin ich hinsichtlich der Archivierungspraxis der Beschußämter nicht unterrichtet; m.E. wäre es aber jedenfalls einen Versuch wert, bei den Beschußämtern Ferlach und Wien unter Angabe der Zahlen nachzufragen, ob sich zufälligerweise der Vorgang nachvollziehen läßt.

SR-7v
Mitglied
Beiträge: 680
Registriert: 26.07.2011, 11:30

Beitrag von SR-7v » 18.04.2012, 10:56

E r g ä n z u n g :

M.E. sollte zum einen das amtliche österreichische Beschußzeichen, aber auch die Seriennummer des Herstellers unter die Lupe genommen werden.

Existieren noch alte Auftragsbücher des Unternehmens Gastinne Renette?

Gab es einen österreichischen Generalimporteur?

Antworten