Führungberechtigung

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nitram.h
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Führungberechtigung

Beitrag von nitram.h » 15.09.2010, 14:56

Hallo,

ich hätte eine Frage zwecks Führungsberechtigung eines Wappens. Und zwar lautet die Passage aus der Urkunde folgendermaßen:

"Versehn, begaben und begnaden auch damit wissentlich in Kraft dies Briefs, also dass nun fürehin der benannte ... ... und all seine ehelichen Leibeserben und derselben ehelichen Erbeserben für und für solch Wappen und Kleinod führen und das nun fürbas in allen Geschäften, Aufschlägen, Begräbnissen, Gezelten, Stürmen, Streiten und allen anderen ehrbaren und redlichen Sachen als sich zu solchen frommen redlichen Leuten wohl zusteht an allen Enden und Gerichten nach ihrer Notdurft ewiglich haben und geniessen sollen."

Jetzt meine Frage. Sind nach diesen Worten alle Nachkommen dieses Herrn führungsberechtigt oder bezieht sich "Leibeserben und Erbeserben" nur auf den männlichen Nachwuchs?

Schönen Gruß

Martin

moustache
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Beitrag von moustache » 15.09.2010, 15:13

Nach meiner Auffassung nur die Direkte Blutslinie männlicher erben...sorry
have a nice day

gruß moustache

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Claus J.Billet
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Beitrag von Claus J.Billet » 15.09.2010, 15:16

Die Führungsberechtigung erstreckt sich auf die männlichen Nachkommen.

Nun jedoch zu diesem von Ihnen hier zitierten Text:
"Versehn, begaben und begnaden auch damit wissentlich in Kraft dies Briefs, also dass nun fürehin der benannte ... ... und all seine ehelichen Leibeserben und derselben ehelichen Erbeserben für und für solch Wappen und Kleinod führen und das nun fürbas in allen Geschäften, Aufschlägen, Begräbnissen, Gezelten, Stürmen, Streiten und allen anderen ehrbaren und redlichen Sachen als sich zu solchen frommen redlichen Leuten wohl zusteht an allen Enden und Gerichten nach ihrer Notdurft ewiglich haben und geniessen sollen."

Diese "aufgemöbelte" Formulierung läßt eher auf ein "Fake" schließen :!: :wink:

Evtl. zeigen Sie uns dies fragliche Wappen und nennen Sie den Namen dieser wappenführenden Familie, dann läßt sich sicherlich mehr sagen. :!:
www.Wappen-Billet.de
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Wolfgang Esiep
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Beitrag von Wolfgang Esiep » 15.09.2010, 18:33

Der Sprachstil ist kein altes Deutsch, sondern eine Art Richard-Wagner-Stil. Das deckt sich mit der Meinung meines Vorredners, daß hier ein Fantasie-Wappenbrief vorliegt.

Joachim v. Roy
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Beitrag von Joachim v. Roy » 15.09.2010, 19:16

Zum Vergleich:

Aus einem Adelsdiplom d.d. Wien 11. Juni 1 7 2 5 :

"Verleihen und geben Ihm SAMUEL ... [und] allen seinen Ehelichen Leibes-Erben und derselben Erbens-Erben, Mann und weiblichen Geschlechts Vorbedeuthes Adeliches Wappen und Kleinod, ... Bewilligen, gönnen, und lassen Ihnen zu, daß Sie dasselbe also führen, nicht weniger auch sich hinführo zu allen künfftig Zeiten neben der rothen Waxsieglung gebrauchen, ... in allen und jeden Ehrlichen, redlichen Sachen und Geschäfften, Es sey zu Schimpf (?) und Ernst, in Streithen, Stürmen, Schlachten, Kämpfen, Gestechen, Gefechten, Feldzügen, Gezelten-Aufschlagen, Insiegel, Pettschafften, Kleinodien, Begräbnussen, Gemäldten und sonst an allen Orthen und Enden ... ebenfalls gebrauchen und genießen sollen, können und mögen."

Ein gewisser Richard-Wagner-Stil wohnt auch diesen Zeilen inne.

MfG

nitram.h
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Beitrag von nitram.h » 15.09.2010, 19:38

Es handelt sich um folgendes Wappen:

Das Demleitner-Wappen Gegeben am 6.Dez.1538 zu Neuburg an der Donau. Philipus Ludwig von Gottes Gnaden Pfalzgraf bei Rhein und Herzog in Bayern.

Blason/Beschreibung:

Nämlich ein Schild, so in der Mitte nach der Breite abgeteilt und der obere Teil desselben von weisser, der untere Teil aber von blauer Farbe ist, auch zumittels des Schildes ein Rosen, deren oberer Teil von blauer Farbe im weissen Feld und der untere halbe Teil von weisser Farbe im blauen Feld, durch welche Rose ein Pfeil gehet und der obere Teil desselben in das weisse Feld gegen der rechten Hand und der untere Teil des Pfeiles in das blaue Feld zur linken Hand reicht.
Fürter und ob dem Schild einen Stechhelm mit ausgeworfener weisser und blauer Helmdecken geziert.

Endlich auf dem Helm zwei hinter einander stehende aufgetane Flügel, so der Breite nach in der Mitte abgeteilt und der obere Teil derselben von weisser und der untere Teil von blauer Farbe, auch in solchen Flügeln wiederum eine mit Farben abgeteilte Rose samt einem dadurch gehenden Pfeil allermassen wie in dem Schild und das ganze Wappen in diesem Brief mit Farbe ausgestrichen zu sehen ist.

Ich hoffe die Infos reichen um Licht in das dunkel zu bringen. Wäre ja schade, wenn es ein Fake wäre :?

nitram.h
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Beitrag von nitram.h » 15.09.2010, 19:41

Noch ein Nachtrag zum Datum. Mir ist gerade aufgefallen, dass in dem Wappenbrief etwas anderes steht:

"Und deszu wahren Urkund haben wir unser Fürstlich Insigl an diesen Brief gehangen.
Der geben ist zu Neuburg an der Donau am Tag Nicolai den sechsten Monatstag Decenbris. Nach Christi unseres lieben Herrn und Seligmachers Geburt
Eintausend fünfhundert und im drei und achtzigsten Jahre."

Meines Erachtens 1583, oder?

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Claus J.Billet
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Beitrag von Claus J.Billet » 15.09.2010, 20:59

Zu meinem Bedauern muß ich hier passen. :oops:
Mir liegen keine betreffenden Unterlagen zu dem genannten vor.

Zitat:
"Das Demleitner-Wappen
Gegeben am 6.Dez.1538 zu Neuburg an der Donau.
Philipus Ludwig von Gottes Gnaden Pfalzgraf bei Rhein und Herzog in Bayern. "
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Beitrag von nitram.h » 16.09.2010, 06:18

Gibt es folglich kein Wappen der Familie Demleitner (bzw. Demleutner)? Und es ist nirgends eingetragen?

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Claus J.Billet
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Beitrag von Claus J.Billet » 16.09.2010, 08:17

Habe es doch noch gefunden:

Wappen "Demleitner
Sammlung Siebmacher, Bürgerliche, Bd. 13, NF., Abtl. 2, Seite 81, Tafel 33
www.Wappen-Billet.de
M.d.IDW.
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Beitrag von nitram.h » 16.09.2010, 09:29

Bedeutet dies dann, das das Wappen doch kein Fake ist?

Zur Ursprungsfrage. Trageberechtigt wären dann nur die männlichen Nachkommen, oder?

Joachim v. Roy
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Demleutner / Demleitner

Beitrag von Joachim v. Roy » 16.09.2010, 10:13

Hallo Martin,

ob die Abschrift des Ihnen vorliegenden Wappendiploms von 1 5 8 3 (nicht: 1538) korrekt ist, ließe sich dadurch feststellen, daß man diesen Text mit dem Konzept des Original-Diploms vergleicht, welches sich wohl in den Beständen des Bayerischen Hauptstaatsarchivs befinden dürfte. Sollte der Wunsch bestehen, so könnten Sie - gegen Entrichtung einer Gebühr - das Hauptstaatsarchiv um K o p i e n des Konzepts des Original-Diploms bitten.

Wie Herr Claus J. Billet bereits gestern zu verstehen gab, besteht nicht der geringste Zweifel daran, daß lediglich die
m ä n n l i c h e n Nachfahren des 1583 genannten Herrn Demleutner berechtigt wären, das fragliche Familienwappen
zu führen.


Freundliche Grüße vom Rhein

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Claus J.Billet
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Beitrag von Claus J.Billet » 16.09.2010, 10:26

Eine Kopie :
Wappen "Demleitner
Sammlung Siebmacher, Bürgerliche, Bd. 13, NF., Abtl. 2, Seite 81, Tafel 33
wurde dem Fragesteller zur Klärung und Abgleich übermittelt. :!: :lol:
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Beitrag von nitram.h » 16.09.2010, 10:49

Ich danke allen für die erhellenden Antworten :D
Sie haben mir sehr weitergeholfen!!!

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