Wappen oder Hausmarke ?

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Igel-11
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Wappen oder Hausmarke ?

Beitrag von Igel-11 » 24.01.2010, 15:54

Hallo, in unserer Kirche (Weißensee/Thür.) stand eine alte Grabplatte die nur noch zu 2/3 erhalten war (inzwischen ist sie "verschwunden"). Auf ihr war ein Mann mit einer "Kutte" und einem Kelch zu erkennen, die erhaltene Umschrift konnte ich nicht entziffern nur das Wappen oder die Hausmarke ist gut erhalten. Jedoch habe ich sie noch nirgendwo entdecken können.

http://www.pic-upload.de/view-4357605/E ... 1.png.html
Danke sagt Igel-11

Wer glaubt jemand zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.

Joachim v. Roy
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Beitrag von Joachim v. Roy » 24.01.2010, 17:19

Das Grabdenkmal zeigt einen Pfarrer, der einen Abendmahlskelch in Händen hält. Sein persönliches Wappen (Familienwappen?) basiert in der Tat auf einer Hausmarke.

Freundliche Grüße vom Rhein

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Igel-11
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Wer kennt diese Hausmarke ?

Beitrag von Igel-11 » 24.01.2010, 18:09

Hat denn jemand eine Ahnung über die Herkunft dieser Hausmarke ??
Danke sagt Igel-11

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Joachim v. Roy
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Beitrag von Joachim v. Roy » 24.01.2010, 18:42

Zur „Herkunft“ der Hausmarke könnten allenfalls die Bewohner von Weißensee etwas sagen.

Man könnte prüfen, ob diese Hausmarke noch in alten Kirchenbüchern (hier vor allem in den sogenannten „Steinbüchern“, welche Grabstätten im Innern von Kirchen ausweisen), auf anderen Grabdenkmälern, auf Gemälden von Pfarrern, auf Gedenktafeln usw. erscheint.

Zu bedauern ist, daß man es versäumt hat, die - restliche - U m s c h r i f t der Grabplatte zu bestimmen. - Futsch ist futsch. Hier hätte man eine größere Sorgfalt walten lassen sollen.

MfG

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Simplicius
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Beitrag von Simplicius » 24.01.2010, 22:07

Wenn man einmal annehmen möchte, dass an den Längsseiten, und am Fuß des Steins die Inschrift noch vorhanden ist, dann handelt es sich um ca. 75% des Textes! Sterbedatum, sogar der Name könnten vollständig sichtbar sein.

Edit: Schade dass sie verschwunden ist, hatte ich wohl überlesen.
Wie kann so etwas verschwinden?

Die Platte ist vielleicht aus dem 15. oder 16.Jh., denke ich.

***
Literatur?

Der Bildindex der Kunst und Architektur zeigt keine älteren Aufnahmen, jedoch weiß ich nicht, inwieweit Fotos vollständig digitalisiert online zur Verfügung stehen.

Vielleicht lohnt sich eine Anfrage hier: http://www.bildindex.de/#|2

***
Evtl. findet sich dieses Buch in einer Bibliothek in Ihrer Nähe? (o.Fernleihe?) :

Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen,

Die Kreise Zeitz, Langensalza, Weissenfels, Mühlhausen und Sangerhausen /
unter Mitwirkung von Heinrich Otte bearb. von Gustav Sommer. - 1882

http://biberdb.bibliothek.potsdam.de/op ... 561419=YES

oder:

Eißing, Stephanie ; Jäger, Franz: Georg Dehio - Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Thüringen. 2. Aufl. München - Berlin : Deutscher Kunstverlag, 2003. - 1486 Seiten. ISBN 3-422-03095-6

Grüße

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Igel-11
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Beitrag von Igel-11 » 25.01.2010, 17:22

Hallo,
das Buch von Otte "Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Weißensee" habe selbst, ist abernichts drin. In den Kirchenbüchern habe ich auch nichts gefunden und wie gesagt, die Schrift auf dem Stein kann ichn nicht entziffern. Ich stelle sie aber einmal ins Netz vielleicht hat ein Anderer mehr Glück.

http://www.pic-upload.de/view-4369209/E ... 2.png.html
http://www.pic-upload.de/view-4369288/E ... 3.png.html
http://www.pic-upload.de/view-4369321/E ... 4.png.html
Danke sagt Igel-11

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Irmgard
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Beitrag von Irmgard » 25.01.2010, 18:47

ich lese auf der linken Seite : aus Johannes

das andere ist für mich einfach zu schlecht fotografiert .. da muß ich länger drauf schauen oder gibts das Foto noch aus einem anderen Blickwinkel?

Das Zeichen auf dem Schild erinnert mich an ein gespiegeltes orthodoxes Kreuz mit Dach= Haus.

Ist der Kirchenmann ein apostolischer Reisender gewesen?

netten Gruß... Irmgard

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Simplicius
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Beitrag von Simplicius » 25.01.2010, 18:57

...also- "aus" heißt hier wirklich: d n s, was die Abkürzung für dominus bedeutet.

Herr Johann ... , dann folgt wahrscheinlich der Name ...

Viele Grüße

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Markus
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Beitrag von Markus » 26.01.2010, 07:50

Das Manipel läst auf jeden Fall darauf schließen, dass es sich um einen römisch-katholischen Geistlichen handelt.
Heraldische Grüße
Markus

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Simplicius
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Beitrag von Simplicius » 26.01.2010, 19:03

Markus hat geschrieben:Das Manipel läst auf jeden Fall darauf schließen, dass es sich um einen römisch-katholischen Geistlichen handelt.
Die Seelsorge in Weißensee vor der Reformation oblag ja den Johannitern, vgl.:

Urkundliche Nachrichten über die Städte, Dörfer und Güter des Kreises Weißensee, S.16:

[…] Der Comthur war verpflichtet für die ihm zugewendeten Güter, Rechte und Einkünfte den Kirchen- und Schuldienst in und außer der Stadt zu besorgen, nämlich in 2 Kirchen, zu St. Petri und St. Nicolai, in der Stadt und in 2 Kirchen, zu St. Anna und St. Jacob, außer der Stadt, zu welchem Zweck der Orden 9(!) Geistliche auf dem Hofe gehabt und nebst einigen Schülern, die er gespeist, unterhalten hat. […] http://books.google.de/books?pg=PA16&id ... q=&f=false


zur Reformation, S.18, 2.Abschnitt

***
Wenn der Stein aus vorreformatorischer Zeit rührt, ist es möglich, dass hier einer der erwähnten Geistlichen dargestellt ist, wobei ich nicht sagen kann, ob diese auch dem Johanniterorden angehörten. Vielleicht weiß da jemand mehr? Der Text nennt auch mehrere Komture namentlich.

***
Die Inschrift auf dem Stein ist vermutlich komplett lateinisch (?). Nach dem vermeintlichen Familiennamen am Fußende der Platte, folgen vielleicht die Buchstaben p s d, oder pl... (?) → plebanus (!?)
Wenn es sich also um 3 aufeinander folgende Konsonanten handeln sollte, hätten wir somit eine weitere Abkürzung, die auf solchen Umschriften nicht selten anzutreffen sind.

Wenn ein besserer Überblick überhaupt möglich sein sollte, bräuchte man gute Fotos.

***
Fürsten und Reformation von Manfred Schulze

S.64 in einer Fußnote: …Über das Ordenshaus Weißensee, eine Priesterkommende, ist fast nichts bekannt…
http://books.google.de/books?id=kvJ3HPP ... q=&f=false

Interessant dabei am Rande, das Kapitel Ordnung für den Johanniterhof zu Weißensee vom Jahre 1449

Grüße

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