Die Findungen der "heraldischen Regeln"

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Claus J.Billet
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Die Findungen der "heraldischen Regeln"

Beitrag von Claus J.Billet » 08.09.2007, 09:36

Die Findungen der "heraldischen Regeln" ist ein langer Prozess, der sich über eine lange Zeit entwickelte.
Die ersten näheren Anfänge der Europäischen "Heraldik" können bei Konrad von Würzburg, in seinem "Trojanerkrieg" gefunden werden.
Oder auch in den Vergleichswerten Schriften, wie:
"Cliperaius Teutonisorum" des Konrad von Mure, die große "Heidelberger Liederhandschrift", die Wappen aus dem "Haus zum Loch" in Zürich, sowie der "Züricher Wappenrolle" und noch vielen anderen.
Die in dieser "Regellosigkeit" entstandenen Wappen fallen auf, obwohl in der "Blütezeit der Heraldik" entstanden, durch sogenannte mißfarbige Wappenschöpfungen. (heutiger Terminus)
Metall an Metall, Farbe an Farbe.
Hier ist auch der Nachweis zu suchen , daß im Bereich der gebräuchlichen Heraldik noch keine stringenten Formen angewendet wurden.
Mit fortschreitender Entwicklung der Waffentechnik, der "Rüstung" der Ritterschaft, wurde von den Herolden die Tingierung der Wappen gewissen Anordnungen zugesprochen.
Dieser langwierige Entwicklungsprozess fand seinen Abschluß in der heutigen gebräuchlichen Heraldik.
Ein "Rückfall" in alte Muster sollte unbedingt vermieden werden.
Darüber wachen die heutigen heraldischen Vereine mit ihren Wappenrollen.
Über die "Heraldik" und das "Wappenwesen" wurden bereits unzählige Schriften verfaßt.
Dem Interessenten ist unbedingt zu empfehlen sich in diese vielschichtige Materie einzulesen.
Ohne eine gründliche Vor-Information wird der Interessent durch die Vielschichtigkeit des Wappenwesens nicht hindurchfinden und nur von einer Verwirrung in die andere taumeln.
Als "Handbuch der Heraldik" wird die vom heraldischen Verein "Herold" in Berlin, herausgegebene "Wappenfibel" angesehen und allgemein anerkannt.

Degener Verlag
Wappenfibel
AUTOR: Biewer, Ludwig
TITEL: Handbuch der Heraldik. Wappenfibel; 19. Aufl. 2002. 251 S., zahlr. Abb., Festeinband
ISBN: 3-7686-7014-7





Dies nur als kleiner Überblick und Hinweis :!: :lol:
Zuletzt geändert von Claus J.Billet am 09.09.2007, 19:06, insgesamt 2-mal geändert.
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Jochen
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Beitrag von Jochen » 09.09.2007, 00:31

Ich freue mich ganz außerordentlich, an dieser Stelle eine Dissertation zu den Wappenschilderungen Konrads von Würzburg vorstellen zu können, die aus der Feder meines - mir leider nicht persönlich bekannten - Wuppertaler Kommilitonen Manfred Stuckmann stammt.



http://elpub.bib.uni-wuppertal.de/edocs ... 040301.pdf
Alles Gute all jenen, die Gutes im Schilde führen !

jochen

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Claus J.Billet
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schmunzel...

Beitrag von Claus J.Billet » 09.09.2007, 09:04

Zum selben Thema hat Claus D. Bleisteiner
Mitglied der Académie Internationale d'Héraldique
eine sehr ausführliche und übersichtliche Betrachtung geschrieben.
"Heraldik im "Trojanerkrieg" Konrada von Würzburg
und ihre Reflexionen des Wappenwesens seiner Zeit"

Nachzulesen im 12. Jahrbuch und 11. Lieferung zur Wappenrolle
des heraldischen Vereins "Wappen-Löwe"

Ebenso stammt vom selben Verfasser :
"Eine erste Heraldisch-Theoretische Abhandlung in Deutscher Sprache im Ritterspiegel des Johannes Rothe"
Nachzulesen im 13. Jahrbuch und 12. Lieferung zur Wappenrolle
des heraldischen Vereins "Wappen-Löwe"

Weitere umfassende wissenschaftliche Publikationen werden laufend von den heraldischen Vereinen herausgegeben.

Insgesamt bleibt festzustellen, daß alle Verfasser, genannte und ungenannte, die sich ernsthaft und wissenschaftlich mit diesen Themen befassen, im Ergebnis der Betrachtung, zum selben Schluß kommen.
Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Betrachtungen mag für den Laien eine trockene Angelegenheit sein, ist jedoch,
...um die gewachsene Entstehung der "heraldischen Regeln" fundiert zu begründen,... unabdingbar.
Wer also glaubt, das Wappenwesen besteht lediglich aus dem "Zusammen-Basteln" von Symbolen, der irrt sich gründlich . :!: :lol:

Mit dem "Hintergrund-Wissen", der durch die heraldischen Vereine herausgegebenen Publikationen, ist die öffentliche Arbeit in den heraldischen Foren informativ und wichtig für den an der Heraldik interessierten Laien.
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"Mißfarbige" Wappen und "Identifikationstheor

Beitrag von Claus J.Billet » 13.11.2008, 11:16

Zum Thema "Mißfarbige" Wappen und "Identifikationstheorie"
hat Claus D. Bleisteiner
Mitglied der Académie Internationale d'Héraldique
u. a. eine sehr ausführliche und wissenschaftliche Betrachtung geschrieben.
Hier wird geschichtliche Aufklärung über die oftmals leider
falsch interpretierte "Farb-Regel" gegeben.
(Metall an Metall, Farbe an Farbe)
Nachzulesen im 12. Jahrbuch und 11. Lieferung zur Wappenrolle
des heraldischen Vereins "Wappen-Löwe"
Seite 26 und ff.
:lol:
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Beitrag von R1126 » 13.11.2008, 13:12

Es gibt aber auch noch eine größere Zahl von mißfarbigen Wappen, die deutlich nach der "Anfangsphase" der Heraldik entstanden sind. Besonders beliebt ist die (durchaus kontrastreiche) Farbkombination schwarz-rot.
Es wird oft darauf hingewiesen, dass solche Fehlfarben aufgrund von Oxidationsprozessen entstanden sind (gold wird zu rot und silber zu schwarz, wenn ich mich richtig erinnere). Und später sind die Wappen dann in den oxidierten Farben falsch abgemalt worden.
Greift diese Erklärung tatsächlich für alle Fälle? Hm..., ich kann mir gut vorstellen, dass man es in früheren Jahrhunderten einfach nicht so genau genommen hat mit den Farbregeln - und da z.B. schwarz-rot immer wieder auftauchte hat man sich dabei vielleicht auch nichts mehr gedacht.
Wie sehen Sie das?
http://www.illustrationen-wappen.de
De Nihilo Nihil (aus nichts wird nichts)

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Claus J.Billet
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Beitrag von Claus J.Billet » 13.11.2008, 13:37

R1126 hat geschrieben:Es gibt aber auch noch eine größere Zahl von mißfarbigen Wappen, die deutlich nach der "Anfangsphase" der Heraldik entstanden sind. Besonders beliebt ist die (durchaus kontrastreiche) Farbkombination schwarz-rot.
Es wird oft darauf hingewiesen, dass solche Fehlfarben aufgrund von Oxidationsprozessen entstanden sind (gold wird zu rot und silber zu schwarz, wenn ich mich richtig erinnere). Und später sind die Wappen dann in den oxidierten Farben falsch abgemalt worden.
Greift diese Erklärung tatsächlich für alle Fälle? Hm..., ich kann mir gut vorstellen, dass man es in früheren Jahrhunderten einfach nicht so genau genommen hat mit den Farbregeln - und da z.B. schwarz-rot immer wieder auftauchte hat man sich dabei vielleicht auch nichts mehr gedacht.
Wie sehen Sie das?
Ihre Anmerkung :
"...Es wird oft darauf hingewiesen, dass solche Fehlfarben aufgrund von Oxidationsprozessen entstanden sind (gold wird zu rot und silber zu schwarz, wenn ich mich richtig erinnere). Und später sind die Wappen dann in den oxidierten Farben falsch abgemalt worden. "
ist durchaus richtig. :lol:
Bei den früher verwendeten alten Malmitteln war die Wiederstandsfähigkeit der Farben, je nach Untergrund, nicht immer gegen den Alterungsprozess geschützt. Gold, soweit es als "Blattgold" verwendet wurde (und dies nur bei teuren Repräsentations-Schilden) blätterte ab oder hatte bei Gold-Farbe einen natürlichen Abrieb. Dadurch schimmerte die rote Grundierung hervor.
Silber-Farbe oxidierte und veränderte seinen Farbton zu schwarz.
Dies war ein natürlicher Prozess der oftmals zu Mißdeutungen bei Wappendarstellungen führte.

Dies hat jedoch nicht's mit den oben genannten Ausarbeitungen :
Thema "Mißfarbige" Wappen und "Identifikationstheorie"
zu tun.
:lol:
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M. Waas
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Beitrag von M. Waas » 16.11.2008, 20:53

Es gibt/gab in der Blütezeit der Heraldik viele Miss- oder Fehlfarbige Wappen. Viele der Wappen stammen aus dem 14./15. Jahrhundert. In den meisten Fällen wird das wohl auch gewollt sein. Anders kann man Wappen nur Metall oder nur Farbe nicht erklären. Wegzudeuten sind sie auch nicht, auch wenn es vielfach mit dem Argument Farbveränderungen (im Laufe der Jahre) versucht wird.
Es muß auch in Betracht gezogen werden, dass unsere heutigen Regeln keineswegs alten Datums sind. Jacob Sp(a)ener hat sie erst im 17. Jahrhundert postuliert. Sp(a)eners Buch geht auf ein Buch des Franzosen Hozier zurück, das wohl als u.a. als Quelle diente.
Außerdem gibt es ein Gefälle in fehlfarbigen Wappen. Im Westen und Osten Deutschlands sind sie häufiger anzutreffen als in der Mitte. Auffällig ist die Häufung in Elsass-Lothringen und Sachsen und Thüringen. Dort sind ca. 10 bis 15 Prozent der alten Wappen Fehlfarben. Wenn man geringfügige Farbverstöße hinzurechnet sind es auch mehr Prozentpunkte. Das kann jeder selbst mit Hilfe des alten Siebmachers herausfinden.
Manchmal sind Verstöße auch nur Fehlinterpretationen der Farbregeln. So glauben viele Helmkronen müßten z.b. Gold sein. Das steht aber nirgendwo geschrieben. Der Löwe im bayrischen Wappen war bis ca. 1600 auch Rot gekrönt - siehe alten Siebmacher.

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Simplicius
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Beitrag von Simplicius » 21.11.2008, 16:06

Sehr geehrte Interessierte, seien Sie bitte nicht verstimmt, wenn ich einige kritische Anmerkungen zu dem Gesagten mache. Heraldiker zu sein, beinhaltet nicht nur sich mit herald. Regeln auseinanderzusetzen. Ein sehr gutes Studium war, und ist immer die Anschauung in der Praxis, im dargestellten Wappen. (Architektur, Plastik, Siegel, zeitgenössische Abb.) Leider habe ich oben genannte Literatur noch nicht studiert, aber vielleicht bringt ja ein Diskurs etwas mehr Licht.

Wo entdeckt man, werte Teilnehmer, "viele missfarbige Wappen" in der heraldischen Blütezeit? Sehr richtig wurde schon auf die Umstände der Veränderung von Farbpigmenten hingewiesen (Heidelb.Liederhandschr.) Wie kommt man auf z.T. 15% "Fehlfarbigkeit", und was möchten Sie damit sagen?

Meine Frage, sehen Sie in einem dreifarbigen Wappen (Luxemburger Löwe, Bunter Löwe) einen Farbverstoß? Ist eine Wappenvereinigung, Mecklenburg/Pommern ein Farbverstoß? Sind Bewehrungen, Bekrönungen in anderen Farben Farbverstösse? - Ich denke nein, sie sind auch nicht mißfarbig obwohl, wörtlich genommen, Farbe an Farbe stößt! Es ist doch aber falsch damit zu begründen, dass der Umgang mit Farbe in der Heraldik nicht Besonderheiten aufweisen würde. Sammlungen aus der heraldischen Frühzeit weisen trotz fehlender Regeln wenig Farbverstösse auf, ich meine eindeutige Verstösse (schwarzer Balken in blau). Die Wappen des thüringer Adels in der Ausgabe von 1605 (Siebm.) weisen weit weniger Verstösse auf als angegeben, es sei denn man nimmt wirklich alles wörtlich. Sie müssen auch wissen, es handelt sich in diesem Zeitraum schon um die sog. "Tote Heraldik", Renaissance und Humanismus haben die Wappen z.T. verändert! (naturfarbene Figuren) Aber wem ist mit dem Gesagten oben gedient?

Etwas polemisch: Erkennen Sie nicht, dass das Wissen um gute Wappenentwürfe (grafisch, inhaltlich) immer mehr verschwindet? Schauen Sie sich einmal in der Kommunalheraldik um! Da die Mehrheit(!) der Entwerfer das Wissen z.T. nur aus Büchern (Fachbücher) aber nicht aus Anschauung (Sammlungen) , bzw. dem Netz bezieht, kommt es zu vielen unglücklichen Entwürfen, die zwar dem Wortlaut nach den "Regeln" entsprechen, aber weit davon entfernt sind gut zu sein. Dazu kommt, dass man sich geschichtlich nicht genug mit einem Ort auseinandersetzt.

Schauen Sie einmal unsere Nachbarn in der Schweiz an. für mich ein Musterbeispiel, wie eine mod. Demokratie eine mod. Heraldik anwendet!

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HFRudolph
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Beitrag von HFRudolph » 21.11.2008, 18:25

Meine bescheidenen Meinungen:

1.
Hergenhan hat geschrieben:Meine Frage, sehen Sie in einem dreifarbigen Wappen (Luxemburger Löwe, Bunter Löwe) einen Farbverstoß?
Siehe auch Hessen…
Kein Regelverstoß.

2.
Hergenhan hat geschrieben:Sind Bewehrungen, Bekrönungen in anderen Farben Farbverstösse?
Kein Regelverstoß, ebenso Blätter an Rosen, Klauen, Schnäbel und dergleichen kleinere Teile. Generell lässt sich sagen: Wenn etwas zusammenhängendes unterschiedliche Farben hat (Adler und Krone), dann hat der größere Teil mit dem Hintergrund in Kontrast zu stehen, der kleinere Teil ist zu vernachlässigen. Je größer der kleinere Teil aber, um so weniger ist ein fehlender Kontrast zum Hintergrund tolerierbar.

3. Dreifeldrige Wappen (Z. B. NRW).

4. Objekte, die ansonsten nicht anders darstellbar sind bzw. nicht mehr als solche zu identifizieren wären: Ein Weißstorch muss nicht dort an Linien angrenzen, wo seine Farbe wechselt. Ein Weißstorch ist kein Schwarzstorch und wird nicht deshalb unheraldisch, weil er als solcher erkennbar dargestellt wird. Er muss auch keinen weißen Schnabel haben. Weiteres Beispiel: Tiger…

5. Mit Wappenkombinationen kenne ich mich nicht gut aus: Es gibt allerdings mehrfach bei gevierten Wappen Farbe an Farbe oder Metall an Metall.

6. Linien/Fäden und Borde müssen nicht im Kontrast zu angrenzenden oder überlagerten Feldern stehen.

Es lassen sich sicherlich weitere Ausnahmen als Bestandteil der Regel (so!) finden. Es sollen Farbe neben Metall liegen, zumindest in den genannten Ausnahmen aber sicherlich kein Muss und damit auch nicht „fehlfarbig“.
Zuletzt geändert von HFRudolph am 20.01.2009, 14:08, insgesamt 1-mal geändert.

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Simplicius
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Beitrag von Simplicius » 21.11.2008, 22:57

Vielen Dank für Ihre Reaktion Hr. HFRudolph, meine Fragen waren eher rhetorisch gemeint. Natürlich sehe ich hier auch keine Regelverstöße im eigentlichen Sinne. Mir liegen einige Wappensammlungen vor. Für den Heraldiker sind die sog. „Züricher Wappenrolle“ und der „Codex Manesse“ (Heidelb.Liederhandschrift) eigentlich ein Muß, da sie Einblicke zu Wappenfarben in einer verhältnismäßig frühen Zeit gewähren ca. um 1300 oder 1.Hälfte 14.Jh. Natürlich gibt es auch ältere Quellen, doch wird es im 13.Jh spärlicher – „Matthew Paris“ oder die sog. “Berliner Eneit-Handschrift“ (1.Hälfte 13.Jh.!)

Es gibt eine Webseite (http://www.heraldik-heraldry.org/), auf welche ich schon vor längerer Zeit aufmerksam wurde, sie wurde zudem hier oben angeführt. Beim Lesen entsteht nun der Eindruck, als seien ursprünglich alle Farbkombinationen in annähernd gleichem Maße möglich gewesen.
Doch kann man das nicht bestätigt finden, studiert man erst die Quellen selbst. Das angeführte Bsp. aus der „Heidelberger Liederhandschr.“, eines „Reinmar von Zweter“ http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/digl ... 17c8e97990 ist tatsächlich ein silberner Adler (aber schwarz oxidiert) mit 3 Köpfen in einem roten Feld. Schon in Publikationen des 19.Jh. gibt es dazu eine berichtigte Reproduktion.

Empfehlen kann ich folgendes Buch: Codex Manesse: Die Miniaturen der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Gebundene Ausgabe) von Ingo F. Walter, 2001

In dem Buch wird auch auf eine Wappenabb. des Codex mit sog. unheraldischen Tinkturen eingegangen (321v) „Herr Dietmar der Setzer“, der Gegner des betreffenden Minnesängers wird mit einem missfarbenen Schild als der Unterlegene, der „Böse“ stigmatisiert, und es soll auch keinen Zweifel darüber gelassen werden wer den Minnesänger und „Helden“ darstellt, dessen Schild nämlich „korrekt“ tingiert ist.
http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/digl ... 17c8e97990

Weiter: Die angegebene Seite (52, Schlesischer Adel) aus dem Siebmacher WPB. von 1605 ist eben nicht repräsentativ, die meisten Seiten enthalten weit weniger „Verstöße“, der komplette Band ist im Netz einsehbar.
Wie gesagt, die Darstellungen sprechen um die Wende zum 17.Jh. in den Formen des Manierismus. Es bliebe einmal zu überprüfen, ob tatsächlich alle gemeinten Geschlechter in den Jahrhunderten davor, „missfarbene“ Wappen führten.

Ich möchte zeigen, dass das Problem weitaus geringer zu sein scheint. Mir ist nicht ganz klar, was man hier mit Verstößen meint, deshalb oben die rhetorischen Fragen. Die angeführten Beispiele überzeugten mich nicht, und habe sie zu entkräften versucht.

Was ich allerdings festgestellt habe im Gegensatz dazu, dass durch pedantisches und buchstäbliches Einhalten dieser Farbregel (so wie sie nie gebraucht wurde), in jüngster Zeit recht unglückliche Wappenentwürfe entstanden sind. Häufig werden dabei ungewöhnliche Schildteilungen gewählt, andersfarbige Zusatzlinien eingezogen, ja sogar überkommene tradierte Tinkturen von bekannten Schildbildern verfremdet, nur damit keine (vermeintliche) Missfarbigkeit entsteht. – (Das Schildbild wird verkompliziert) …

Jørg
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Beitrag von Jørg » 22.11.2008, 09:20

Ja dann verweisen Sie doch auf diese misslungenen Beispiel, so daß wir hier anhand dieser Beispiele diskutieren können.

Hilsen Jørg
Hilsen Jørg

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