Farben und Material

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wommel
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Farben und Material

Beitrag von wommel » 29.06.2007, 23:02

Hallo,
ich bin der Neue und wollte von euch alten Hasen ein paar Tipps. Ich möchte für eine Mittelalterdarstellung eine Feldscherstandarte fertigen. Mit welchen Materialien wurde im Mittelalter gearbeitet. Wo kann ich nachlesen welche heutige Farbe zum Beispiel Gold in der Heraldik wäre. Ich weiß nur es ist Gelb aber welches?.
gruß
Werner

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archy
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Beitrag von archy » 30.06.2007, 01:16

:shock: goldgelb!
sic vera nobilitas.

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A.Jacob
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Beitrag von A.Jacob » 30.06.2007, 07:49

Eine Spezifikation der Farben gibt es in der Heraldik nicht.
Für Gelb sind Sie mit HKS 2 / HKS 3 evtl. HKS 4 auf der sicheren Seite.
Mit freundlichen Grüßen

http://www.wappenkunst.de

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SprMa
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Beitrag von SprMa » 30.06.2007, 10:14

Ich habe, als ich die Originalzeichnung meines Wappens für die Verwendung am PC umsetzte, etwas experimentiert.
Die Grundfarben #ff0000 (Rot), #00ff00 (Gelb), #00ffff (Grün) und #ffffff (Weiß) fand ich etwas zu grell. Auch stellte ich fest, dass unterschiedliche (Grund-)Farben je nach Gesamtbild des Wappens sinnvoll sind.

Ich habe zum Beispiel verwendet (RGB-Farbschema / Webfarben):
  • Grün: 25-100-65 / #196441
  • Silber: 204-198-188 / #CCCBC
  • Gold: 215-165-10 / #D7A50A
  • Rot: 230-30-5 / #E61E05
  • Schwarz: 50-70-65 / #324641
Aber, wie schon gesagt, diese Farben - so finde ich - passen für mein Wappen und dessen Farbkombination gut zusammen.


SprMa

wommel
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Farben

Beitrag von wommel » 30.06.2007, 10:35

Hallo,
ah ja, gibt es auch Schattierungen in einer Farbe?. z.b ein helles Gelb als Stern und ein dunkleres Gelb als Schattierung. Bei Grau Hellgrau und Dunkelgrau etc.. Welches material nehme ich zum Sticken Seide; Baumwolle???.
werner

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Bernhard
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Beitrag von Bernhard » 30.06.2007, 11:33

Im Schild am besten nur die jeweilige reine Farbe des Systems (wie auch immer Sie es definieren), keine zwei versch. Töne nebeneinander für verschiedene Flächen.

Wenn Sie Blau haben, immer dasselbe Blau - egal für welches Sie sich entscheiden - für alle blauen Teile. Sie blasonieren ja auch nicht "hellblau" oder "dunkelblau", sonden schlicht "blau".

Im Oberwappen können Sie natürlich schattieren.

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Claus J.Billet
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hm...

Beitrag von Claus J.Billet » 30.06.2007, 11:55

Dazu noch eine Anmerkung:
(...auch wenn's nun Proteste hagelt ) :oops:

Die Versuche, mittels anderer Farbnuancen oder Schattierungen der Schildzeichnung eine Tiefenwirkung zu geben, sollte möglichst unterbleiben.
Dies ist lediglich beim "Oberwappen" erlaubt.
Also Helm, Helmzier und Helmdecken.
Der SCHILD selbst ist "flächig"...und dementsprechend auch die Bemalung.
Sorry :oops:

hier gehe ich mit Herrn Peter wohl einig :!: :oops:
www.Wappen-Billet.de
M.d.WL.
M.d.MWH.

Joachim v. Roy
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Beitrag von Joachim v. Roy » 30.06.2007, 12:58

Weshalb soll es denn hier wohl „Proteste hageln“, verehrter Herr Billet, da Ihre Anmerkung nicht im Geringsten
zu bezweifeln ist.

Freundliche Grüße vom Rhein

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Jochen
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Beitrag von Jochen » 30.06.2007, 13:14

Nun - daß ein Schild nur eine einzige Schattierung einer einzelnen Tingierung aufweisen dürfe, hat gute Aussichten, mein nächster heraldischer Lieblingsmythos zu werden..... :wink: :wink: :wink:
Alles Gute all jenen, die Gutes im Schilde führen !

jochen

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Bernhard
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Re: hm...

Beitrag von Bernhard » 30.06.2007, 14:35

Claus J.Billet hat geschrieben: hier gehe ich mit Herrn Peter wohl einig
Absolut! :lol:

Und ich hoffe, daß wir uns nicht nur darin einig sind :lol: :lol: :lol:
Zuletzt geändert von Bernhard am 30.06.2007, 21:37, insgesamt 1-mal geändert.

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Jochen
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Beitrag von Jochen » 30.06.2007, 15:16

Meine Herren, wo nehmt Ihr nur immer diese "Gesetze" her.... :wink: :wink:

Tut doch bitte mal einen Blick in mittelalterliche Wappenbücher - Codex Manesse z.B.

Richtig, meist arbeitet der Künstler wirklich nicht mit Schattierungen - aber Herrn Dietmars des Setzers Rüden- (Wolfs-?) Haupt ist nun wirklich aufs Feinste schattiert. desgleichen meine ich bei Herrn Hawarts Bären zu erkennen.

Gelre hab' ich kaum Bilder von. Gerade der geldrische Leu scheint mir (im Banner) aber bei ihm altgold konturiert zu sein.

Und das ist noch ein relativ "urtümliches" Wappenbuch. Je elaborierter die Kunst im Laufe der Jahrhunderte wurde, desto mehr setzte sich (ich betone:in der Blütezeit der Heraldik) eine - dezente - Schattierung durch. Siehe beispielsweise Scheibelsches Wappenbuch (an dieser Stelle nochmal ein späte Dankeschön, Bernhard...)

Nach meiner unmaßgeblichen Meinung ist der Mangel an Schattierung in der heraldischen Frühzeit eher auf mangelndes Können des Künstlers denn auf mangelndes Wollen (oder gar "Dürfen") zurückzuführen.

Schließlich noch zur Flächigkeit des Schildbildes: Man denke an die Prunkschilde der Freiherren von Raron oder des Landgraffen von Hessen, bei denen die Schildfiguren richtiggehend plastisch ausmodelliert sind. Der Wille scheint also auch im MA vorhanden gewesen. Auch finden sich selbst bei flächiger Darstellung (von Tieren zum Beispiel) stets Anzeichen, daß mehrere Bildebenen vorliegen (Körperteile, die teils von anderen überdeckt werden usw.)
Alles Gute all jenen, die Gutes im Schilde führen !

jochen

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A.Jacob
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Beitrag von A.Jacob » 30.06.2007, 16:25

Nun - daß ein Schild nur eine einzige Schattierung einer einzelnen Tingierung aufweisen dürfe, hat gute Aussichten, mein nächster heraldischer Lieblingsmythos zu werden.
Wie alles, unterliegt auch heute die Heraldik dem Wandel der Zeit (wie auch schon durch die verschiedenen Kunstepochen geschehen).
Das Wappen wird heutzutage nun mal gestiftet. Dem einen Wappenstifter gefällt eine sehr schlichte Ausführung, dem anderen eine etwas eher plastische Variante.
Viele wappenführende Familien, die Ihr Wappen in den letzten 20 Jahren gestiftet haben, wünschen eine Neuauflage Ihres Wappens in etwas plastischerer oder prunkvollerer Ausführung. Ob dies ein Trend für die Zukunft oder nur eine art Modeerscheinung ist, das wird die Zeit zeigen.

Ob eine Schattierung nun heraldisch falsch oder richtig ist, das lässt sich wohl nicht so leicht beantworten. Es gibt bei den überlieferten Wappenabbildungen und Texten Beispiele für beide Varianten. Und so lange sich die Historiker auch in dieser Frage noch nicht einmal einig sind, werden wir kein abschließendes Urteil finden bzw. geben können.
Mit freundlichen Grüßen

http://www.wappenkunst.de

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Claus J.Billet
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schmunzel...

Beitrag von Claus J.Billet » 30.06.2007, 16:26

Wußte ich's doch :!: :lol: :lol:

Meine Anmerkung dazu :
Die hier angesprochen "plastische Darstellung" auf dem Schild beruht tatsächlich auf einer, mittels verschiedener Leinen- und Lederpressung, sowie ensprechender kunstvollen Bemalung, erzeugten Reliefdarstellung . :!:
Dieses waren jedoch wenige, ausgesprochene
"Prunk-und Schmuck-Schilde" , die absolute Präsentations-Ausnahme weniger reicher Adeliger waren,
...und keineswegs die Regel.
In der gebräuchlichen heraldischen Zeichnungs-Wiedergabe hat sich dies nicht durchgesetzt. :oops:
Auch der allseits hochgelobte "Herold" lehnt dies in seiner "Wappenfibel" ab. :oops:

Bitte selbst nachlesen...
und von "Gesetzen" habe ich nicht gesprochen
:!: :lol:

Natürlich ist mir durchaus bewußt, daß in der heutigen Wappengestaltung gerne mit Schattierungen gearbeitet wird.
Allerdings denke ich, daß hier oftmals des guten entschieden zu viel getan wird.
www.Wappen-Billet.de
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M.d.MWH.

Egon Ossowski

Beitrag von Egon Ossowski » 30.06.2007, 16:47

Jochen hat geschrieben:........................
Nach meiner unmaßgeblichen Meinung ist der Mangel an Schattierung in der heraldischen Frühzeit eher auf mangelndes Können des Künstlers denn auf mangelndes Wollen (oder gar "Dürfen") zurückzuführen. ...............
Diese Auffassung möchte ich ganz dick unterstreichen! Denkt mal ganz pragmatisch und stellt Euch vor, daß es sich nicht um Schmuckschilde sondern Verteidigungswaffen handelt. Da würde eine Schattierung eher den klaren Eindruck des Schildbildes verwischen.

Ketzerische Frage in diesem Sinne: Hat schon mal jemand einen amerikanischen oder russischen Panzer mit schattiertem Stern gesehen? :lol: Ist im Prinzip nämlich nichts anderes!

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A.Jacob
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Beitrag von A.Jacob » 30.06.2007, 16:50

Richtig Claus, so steht es in der Wappenfiebel (Die neuste Ausgabe nicht berücksichtigt).
Registriert werden die Wappen mit Schattieren trozdem, da wird meiner Erfahrung nach kein Wert darauf gelegt. Hauptsache die schraffurzeichnung ist perfekt (die musste ich auch schon mehrmals abändern).

Als gutes Beispiel kann hier das Wappen Höchner (Reg.Nr. 10952/05)genannt werden. Es finden sich dort Farbverläufe und Schattierungen.
Man sollte solche kleinigkeiten nicht überbewerten.
Mit freundlichen Grüßen

http://www.wappenkunst.de

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