Wenzkowski / Pientok

Hier ist der richtige Ort, um über Stammbäume und die Herkunft von Namen zu diskutieren
This is the location to discuss family trees and the origin of names

Moderator: Christian Ader

JoelTan
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Wenzkowski / Pientok

Beitrag von JoelTan » 14.11.2019, 14:43

Hallo liebe Experten,

nachdem mir hier schon einmal auf unglaubliche Weise geholfen wurde, meiner Vergangenheit mütterlicher Seits nachzuspüren, traue ich mich erneut.

Heute geht es um meinen Vater, besser gesagt um diesen "Arm" der Familie.

Zu den Verhältnissen:
Mein Vater heißt Gregor Thomas Pientok, geb.am 12. Okt. 1951 in Zoppot/Polen. Er hat einen Bruder namens Peter Pientok. Dessen Mutter - also meine Großmutter - hieß Uschi (Ursula?) Pientok. Und jetzt fangen die Schwierigkeiten schon an.

Bedauerlicherweise wünscht mein Vater seit Jahren keinen Kontakt zu mir und meiner Schwester. Jede Nachfrage bezüglich der Vergangenheit, wehrt er ab. Zudem hat meine Großmutter noch zu Lebzeiten gesagt, dass sie alles, was mit ihrer Vergangenheit zu tun hat "mit ins Grab" nehmen wird. Warum das alles so ist, weiß ich leider nicht. Das Ausschweigen wirkt auf mich mysteriös. Die Informationen die ich habe, sind also spärlich.

Das habe ich bisher herausgefunden:
Der Name Pientok war nicht Uschis echter Name. Sie war wohl eine Deutsche, die nach dem Krieg vergeblich versucht hatte nach Westen zu fliehen, und irgendwann in Danzig feststeckte. Dort gab sie sich einen polnischen Nachnamen (wahrscheilich Piontek, was "Freitag" heißt). Ich schätze, der Name ist von Mund zu Mund verändert worden in "Pientok". In Danzig lebte sie als Polin und zog meinen Vater und meinen Onkel (Gregor und Peter) auch als Polen auf. Der Vater von Gregor und Peter war sehr wahrscheinlich: Henryk Wiczkowski oder Henryk Wenzkowski. Er und Oma Uschi waren nie verheiratet. Ich habe zufällig einen einzigen Brief von ihm gefunden (ansonsten würde ich nicht mal seinen Namen kennen) mit dem Absender:

Henryk Wenzkowski, ul. Wlordyslawa IV 8. m 9., 80 - 547 Gdansk - Nowy-Port Polska

In diesem Brief werden zwei weitere Kinder erwähnt. Wie es scheint, hat mein Opa Henryk noch mal geheiratet/ist noch mal Vater geworden. Die Namen der Kinder sind Rafał/Rafael und Kinge/Kinga.

Zu Oma-Uschi:
Ich weiß leider nichts mit Gewissheit, aber man munkelte in der Familie, dass Oma Uschi aus Posen kam. Hier arbeitete sie wohl als Chemikerin/Laborantin, die Kornspeicher auf Bakterien untersuchte. Als Kind soll sie in einem Kloster erzogen worden sein .... vielleicht.

Zu meiner Bitte:
Ich wüsste so unglaublich gern etwas mehr über meine Vorfahren. Egal was. Vielleicht bekommt ja jemand etwas heraus.

Vielen Dank für jede Bemühung.
Herzliche Grüße
Joel Tan
Zuletzt geändert von JoelTan am 15.11.2019, 08:25, insgesamt 1-mal geändert.

Kleinschmid
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Re: Wenzkowski / Wiczkowski bzw. Uschi Pientok

Beitrag von Kleinschmid » 14.11.2019, 17:37

Ich weiß nicht, ob hier aus der Runde jemand zu diesem Zeitpunkt konkrete Daten liefern kann. Die ganze Sache hängt doch ziemlich in der Luft ...

Hieß die Oma Pientok oder Piontek oder Freitag? Hieß der vermeintliche Opa Wiczkowski oder Wenzkowski? Der Name Wiczkowski erscheint noch Anfang der 1940er Jahre in Zoppot. Aber auch Wenzkowski findet sich im Großraum Danzig. Ebenso läßt sich Pientok um Danzig nachweisen. In Posen lebte zwischen den 2 Weltkriegen ein Ehepaar Pientok, dessen Tochter Ursula 1920/21 geboren wurde.

Nein, das wird alles nicht zielführend sein. Die Oma ist doch verstorben, richtig? Und an deren Sterbeurkunde (ggf. Todesanzeige in der Zeitung) kommt man nicht heran?

Wenn der Vater nicht 'mitspielt', könnte man aus dem Standesamt Zoppot womöglich eine Kopie seiner Geburtsurkunde besorgen - vielleicht haben die poln. Behörden etwas über den Vater eingetragen.

JoelTan
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Re: Wenzkowski / Wiczkowski bzw. Uschi Pientok

Beitrag von JoelTan » 14.11.2019, 20:55

Lieber Herr Kleinschmid,

... auf Sie ist Verlass! Toll, dass Sie sich (wieder) melden, auch wenn die Antwort noch dünn ausfällt.

Zu Ihren Fragen:
Meine Oma hieß Pientok. Aber es ist anzunehmen, dass sie vor dem Krieg anders hieß - so sagt man in der Familie. Ich werde beim Standesamt in Zoppot nachfragen. Außerdem hatte ich noch die Idee, den Friedhof anzurufen, wo sie begraben liegt. Vielleicht haben die noch Informationen.

Sie sagten: "In Posen lebte zwischen den 2 Weltkriegen ein Ehepaar Pientok, dessen Tochter Ursula 1920/21 geboren wurde." Mögen Sie mir die Namen des Ehepaars nennen?

Mein Opa wird sehr wahrscheinlich Henryk Wenzkowski heißen, da er selbst diesen Absender auf den Brief geschrieben hat. Er ist am 15.7.1927 geboren - das hatte ich vorhin vergessen zu erwähnen. Sie schrieben: "Aber auch Wenzkowski findet sich im Großraum Danzig." Das könnte eine Spur sein ...

Ich gehe noch mal meinen Ideen nach und schreibe einen erneuten Bettelbrief an meinen Vater. Vielleicht bekomme ich so wenigstens die Todesanzeige der Zeitung.

Kleinschmid
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Re: Wenzkowski / Pientok

Beitrag von Kleinschmid » 15.11.2019, 09:15

Die Sache ist schwierig, weil:

1. Datenschutz
Der vermeintliche Opa wurde 1927 geboren, Oma Uschi vielleicht 1931 ( oder war sie wesentlich älter?). Diese Jgg. der Geburtsurkunden befinden sich noch in den poln. Standesämtern und sind für Außenstehende in der Regel nicht zugänglich. D.h., wir können keine Online-Urkunden irgendwo abfragen.

2. Suchorte
Da wissen wir bislang nur etwas von Danzig mit Zoppot und von Posen. In diesen bevölkerungsreichen Großräumen jemanden zu suchen, ist ein anspruchsvolles Unternehmen - zumal die Schreibweise des Familiennames nicht sicher ist.

3. Polonisierung
Die Polen haben 1945 praktisch umgehend mit der Polonisierung begonnen, dabei wurde bspw. sogar aus einem Kowalsky ein Kowalski gemacht. Wenzkowski ist nicht polnisch. Daher findet man den Namen in einem Verzeichnis poln. Familiennamen aus den 1990er Jahren auch gar nicht mehr. Ich vermute, er wurde nach 1945 zu Węczkowski abgeändert. Das ist ein zwar seltener Name, eine Familie lebte aber in den 1990er Jahren in der Wojewodschaft Danzig. Wiczkowski ist dagegen ein häufiger poln. Familienname, dessen größte Verbreitung - mit Abstand - findet sich aber ebenfalls in der Wojewodschaft Danzig. Ja, auch Pientok ist sicher unter deutschem Spracheinfluß entstanden, so gab es in den 1990er Jahren nur noch 6 Personen dieses Namens in Polen. Womöglich führte Ursula also in Polen ebenfalls einen abweichenden Namen (Piontek oder gar Piątek oder ?).

Auswege:
1. Nach 'Opas' Heinrich/Henryk anderen Kindern in Polen suchen, die doch verm. in den 1950/60er Jahren geboren wurden und heute noch leben könnten: Im Staatsarchiv Danzig oder dem Einwohnermeldeamt Danzig in Meldeunterlagen nach: Henryk Wenzkowski, ul. Wlordyslawa IV 8. m 9., 80 - 547 Gdansk - Nowy-Port recherchieren bzw. ggf. auf Węczkowski / Wiczkowski + Heinrich + Kinder: Rafał + Kinge (?) ausweiten - alles schwierig. Einfacher sollte sein:

2. Die Familie (Uschi + Kinder) Pientok ist doch anscheinend von Polen nach Deutschland ausgewandert. Dazu müssen Meldeunterlagen, Anträge für Ausweise usw. vorliegen, aus denen Uschis Geburtsort/-datum ersichtlich sind. Diese sollten für eine Enkelin (berechtigtes Interesse + Oma bereits verstorben) vermutlich zugänglich sein.

Noch der link zur o.g. Ursula Pientok, wohnhaft in Posen:
https://szukajwarchiwach.pl/53/474/0/19 ... C38kwC_MRA

JoelTan
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Re: Wenzkowski / Pientok

Beitrag von JoelTan » 20.11.2019, 13:25

Lieber Herr Kleinschmid,

auch wenn meine Bemühungen noch lang nicht am Ende sind, wollte ich mich schon mal mit einer Kleinigkeit zurückmelden.

Durch den Friedhof, auf dem meine Oma Ursula Pientok begraben liegt, habe ich doch tatsächlich ihr Geburts- und Sterbedatum erfahren --> *25.6.1920 / +15.1.2002. Viel mehr wussten sie dort leider auch nicht, da meine Oma katholisch war und die Unterlagen wohl bei der entsprechenden Pfarrgemeinde liegen (Email an die Gemeinde ist schon raus).

Allerdings: Man bestätigte mir zudem, dass meine Oma Ursula Anna Pientok hieß. Zusammen mit dem Geburtsdatum darf man es wohl als bestätig ansehen, dass es sich auf dem von Ihnen geschickten Dokument um meine Großmutter handelt https://szukajwarchiwach.pl/53/474/0/19 ... C38kwC_MRA.

Gemeinsam mit einer polnischen Freundin habe ich versucht das Handschriftliche zu entziffern ... ich komme nicht weit. Der Geburtsort von Helena scheint Glatz zu sein. Aber beispielsweise beim Bruder ganz unten kann ich gar nichts lesen. Sind Sie in der Lage dazu?


Ein paar Informationsfetzen aus dem "Hörensagen" der Familie, die ich jüngst durch spionageartige Aktionen erhalten habe:

Meine Oma soll in einem Kloster in Friedland gelebt haben. Der Name des Klosters? Vielleicht "Werl", sagte man mir. Meine Recherche hat ergeben, dass es ein Kloster Werl in Deuschland gibt, was allerdings ein Männerkloster ist. Dann fand ich heraus, dass es vier Orte mit Namen "Friedland" in Polen gibt. Ich werde mal versuchen herauszufinden, ob es dort ein Kloster Werl gab.

Debrzno (Preußisch Friedland), Stadt in Polen – nicht zu verwechseln mit Friedland in Ostpreußen, siehe unten: jetzt in Russland
Korfantów (Friedland O.S.), Stadt in Oberschlesien, Polen
Mieroszów (Friedland N.S.), Stadt in Niederschlesien, Polen
Mirosławiec (Märkisch Friedland), Stadt in Polen


Nach dem Krieg kam sie im Jahre 1972 in Krefeld an. Das Rote Kreuz soll ihr dabei geholfen haben. Mit ihr kam nur ihr Sohn Gregor Thomas Pientok (mein Vater).

Tja, das war´s erst einmal ... ich bleibe dran.

Am Schluss:
Ich kann meinen Text natürlich nicht beenden, ohne Ihnen nochmals zu danken. Dass Sie in Ihrer Freizeit diese Recherchen für andere Leute machen ...! Fühlen Sie sich umarmt.

Kleinschmid
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Re: Wenzkowski / Pientok

Beitrag von Kleinschmid » 20.11.2019, 16:07

Heureka (wir haben sie gefunden!) - das nenne ich Glück gehabt!

Die Oma wurde also am 25.6.1920 geboren und trug den 2. Vornamen Anna! Das sieht dann natürlich schon recht gut aus.

Der Vater hieß Johannes (Maks = Max?) und wurde am 2.9.1891 in Glatz (Niederschlesien) geboren. Die Mutter Helene Johanna Beychler wurde in Poznan (Posen) am 9.3.1882 geboren - hier ist ihre Geburtsurkunde: https://szukajwarchiwach.pl/53/1926/0/1 ... ZpAozv_tag
Die Urszula Anna Bogusława als Tochter (corka) am 25.6.1920 ebenfalls in Posen (Doppelstriche unter dem Poznan von darüber)
Der Gwidon Walenty Bodusław als Sohn (syn) am 14.2.1925 in Posen.

Das Ehepaar heiratete am 11.1.1919 in Posen. Siehe hier: https://szukajwarchiwach.pl/53/474/0/19 ... 4J5aMAfxSg

Mal schauen, was sich sonst noch finden läßt.
Zuletzt geändert von Kleinschmid am 21.11.2019, 07:49, insgesamt 1-mal geändert.

JoelTan
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Re: Wenzkowski / Pientok

Beitrag von JoelTan » 20.11.2019, 17:56

Herr Kleinschmid ...

ich kann schon gar nicht mehr richtig arbeiten, weil meine Gedanken nur noch um Oma Uschi kreisen :D
Was haben Sie da schon wieder für tolle Sachen gefunden?! Ich bin begeistert!

Leider konnte ich nicht alles auf der Geburtsurkunde (... die fast genau 100 Jahre älter ist als ich) lesen, aber der Namen "Anna Beychler, geb. Trojanowska" war gut zu erkennen. Meine Ur-ur-Oma. Das ist so schön!

Nur einen schnellen Gruß
Bin in Eile.
Bis bald

Kleinschmid
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Re: Wenzkowski / Pientok

Beitrag von Kleinschmid » 21.11.2019, 09:53

Bleiben wir zunächst bei der Familie Pientok. Da gibt es zwar ein kleines Problem, bis etwa 1700 zurück sollten man hier aber die Stammreihe aufstellen können.

Johann(es) Max Pientok wurde in Glatz geboren. Leider liegen zum Geburtsdatum zwei Angaben vor: Hier lese ich 2. September 1891. Und auf der anderen Karteikarte, hier, sieht es nach 2. September 1890 aus. Die Geburtsurkunden von Glatz befinden sich für die Jgg. 1890 u. 1891 im Staatsarchiv Breslau, sind leider noch nicht online zugänglich. Das Ehepaar Pientok/Beychler soll ja bekanntlich kirchlich am 11. Januar 1919 in Posen getraut worden sein. Die Heiratsurkunden befinden sich im Staatsarchiv in Posen. Darin sind ebenfalls Angaben zur Geburt sowie den Eltern enthalten. M.E. gab es von Posen in deutscher Zeit drei Standesämter: Posen-Land I, Posen-Land II u. Posen-Stadt. Die Angaben dazu sind im poln. Archivsystem (wieder mal) sehr unübersichtlich. Hier die heute zur Gemeinde Posen gehörigen Heiratsurkunden in der Übersicht. Vielleicht könnte die Freundin aus Polen eine entspr. eMail für das Staatsarchiv Posen aufsetzen, wonach eben eine Heirat am oder kurz vor dem 11. Janauar 1919 aus dem Standesamt Posen oder ggf. Posen-Land I oder Posen-Land II gesucht wird. Alternative wäre dann die Anfrage ans Staatsarchiv Breslau nach einer Geburtsurkunde aus Glatz aus 1890 oder eben 1891. Hier ist die Sache dann einfacher rauszusuchen - siehe hier.

Johannes wurde vermutlich nach dem verlorenen I. Weltkrieg in Posen aus der Armee entlassen u. blieb dort 'hängen.' Weder in der gezeigten Einwohnermeldekartei noch in Adressbüchern (Jgg. 1913, 1914, 1917) findet sich ein Hinweis, daß er sich bereits vor Ende 1918 dort aufhielt. Dagegen spricht die Heirat bereits im Januar 1919 - aber wer weiß ... Johannes war Sekretär in einem Amt, Kanzlei usw. u. wurde im Posener Adressbuch von 1923 als 'Jan Pientok' in der 'Kozia 4' geführt. Nach der deutschen Besetzung von Posen im Herbst 1939 bereitete die SS umgehend die 'Entfernung' der poln. Funktionsträger in der Verwaltung vor. Johannes war zu dieser Zeit Sekretär im Posener Gericht. Ob er tatsächlich seine Arbeit verlor, kann ich nicht sagen. Wichtig ist hier aber, daß er am Gericht tätig war.

Schaut man sich die Verteilung der Familiennamen in Schlesien an, dann gehört Pientok ganz sicher nicht in den Glatzer Raum, sondern nach Oberschlesien mit Schwerpunkt in den Kreisen Ratibor und vor allem im Kreis Leobschütz. Nun führt das Liegnitzer Adressbuch, Jg. 1898, auf: Pientok, Anton, Landgerichts-Kanzleigehilfe, Heinrichstr. 22 u. Pientok, Johann, Gerichtskanzlist, Jauerstr. 29c. Sehr wahrscheinlich wird einer der beiden der Vater unseres Johannes gewesen sein, der dann um 1890-1891 am Glatzer Gericht tätig war. Die beiden waren Brüder und Söhne des Webermeisters Anton P. u. d. Katharina Klein. Dieser Anton war der Sohn des Valentin P. u. d. Apollonia Knoppick und damit können wir uns an ein Ortsfamilienbuch 'andocken', das die Stammreihe bis zu einem Georgius Pientok, geboren um 1700, fortschreibt. Der Valentin ist hier, von dort bitte jeweils über den Vater weiterklicken.

Wir benötigen also Johannes' Geburts- oder Heirats-Urkunde, in der dann ein Gerichtsschreiber/kanzlist Anton oder Johann P. als Vater angegeben sein wird.

Georgius Pientok, *~1700 (verm. Polnisch Krawarn)
- Jacobus P., *~1733 Polnisch Krawarn, + 18.10.1783 Eiglau, oo 1765 Johanna Kurzidum, * 13.10.1739 Eiglau
- - Antonius P., *~ 1767 Eiglau, oo 1794 Rosalia Gorczitza, * 5.9.1773 Jernau
- - - Valentinus P., * 13.2.1797 Eiglau, oo 1829 Apollonia Knoppick, *~1811
- - - - Anton P., Webermeister, *~1838 Eiglau, + 6.4.1912 Fürstlich Langenau, ooI. Maria Klein, ooII. Maria Kaluschka
- - - - - Johann P., Gerichtskanzleisekretär, * 6.4.1864 Katscher, ooI. ?, ooII. 10.4.1920 Beuthen/OS Selma Lerch, * 13.3.1879 Friedenshütte (Beuthen)
- - - - - Anton P., Gerichtskanzleigehilfe, Versicherungsbeamter, *14.4.1867 Katscher, + 14.2.1940 Leobschütz, oo Maria Juretschke

Unser Johannes gehört dann zu einem von den zwei Gerichtssekretären.

Kleinschmid
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Re: Wenzkowski / Pientok

Beitrag von Kleinschmid » 21.11.2019, 21:44

Ein Nachtrag:
Ich habe die Personalveränderungen im Oberlandgerichtsbezirk Breslau durchgesehen. Ist etwas mühsam, aber ich wurde fündig:
Im Sommer 1890 wurde der kommissarische Werkmeister Pientok zum Werkmeister am Gerichtsgefängnis in Glatz ernannt.
Im Herbst 1895 wurde der Werkmeister an Gerichtsgefängnis in Glatz, Pientok, zum Kanzlisten am Landgericht in Liegnitz ernannt.


D.h., einer der beiden aus Liegnitz war zuvor in Glatz und ist damit der Vater von unserem Johannes aus Posen bzw. Großvater der Ursula gewesen.

JoelTan
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Re: Wenzkowski / Pientok

Beitrag von JoelTan » 21.11.2019, 22:44

... Jetzt schlagen Sie sich auch noch meinetwegen die Nacht um die Ohren. Wie soll ich das nur je wiedergutmachen?

Aber auch ich mache Nachtschicht - auf die schönste Weise! Gerade lese ich zum dritten Mal ganz aufmerksam Ihre faszinierenden Texte, schaue mir dazu die Dokumente an und versuche alles genau zu verstehen ... Bis ins Jahr 1700 sind Sie gekommen. Was für eine Zahl!!

Zusätzlich widme ich mich den "Hausaufgaben", die Sie mir gegeben haben (Staatarchiv Breslauf, Staatsarchiv Posen ....). Ich werde mich melden, sobald ich Antwort habe.

Wenn Sie wüssten, in welch eine Aufregung Ihre Recherche meine Familie gerade versetzt. Sie würden staunen :D

Kleinschmid
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Re: Wenzkowski / Pientok

Beitrag von Kleinschmid » 22.11.2019, 16:22

JoelTan hat geschrieben:
21.11.2019, 22:44
Zusätzlich widme ich mich den "Hausaufgaben" ...
Natürlich, zunächst müssen wir sicher sein, daß die von mir beschriebene schlesische Familie Pientok tatsächlich zu Oma Ursula gehört. Also Omas Sterbeurkunde u. dann eben die o.g. Geburts- oder Heiratsurkunde des Posener Gerichtsschreibers Johann(es)/Jan P. besorgen. Die poln. Archiv- u. Kopier-Gebühren sind nicht sehr hoch, es wird aber vermutlich etwas dauern, bis alles vorliegt.

Was mich beschäftigt: Wie kommt ein Schlesier, der in Glatz geboren u. vermutlich anschl. in Liegnitz aufgewachsen ist, dazu, nach 1918 im dann poln. Posen zu bleiben? Gut, der Liebe wegen ..., aber er arbeitete doch in der poln. Gerichtsverwaltung - muß also ein gutes Polnisch gesprochen haben. Das lernte man aber sicher nicht in Glatz oder Liegnitz. Tatsächlich wurden die Beamten damals recht oft versetzt, u. der in Liegnitz 1898 erwähnte Johann P. (Gerichtskanzlist, Jauerstr. 29c) findet sich anschließend bis etwa 1906 in Beuthen in Oberschlesien, wo neben Deutsch auch Polnisch als Amtssprache üblich war! Von daher sollte dieser Johann Ursulas Großvater gewesen sein, der übrigens 1906/07 nach Breslau versetzt wurde u. später zeitweise in Berlin lebte. Johannes (der Junior) wurde ja um 1890/91 geboren, dann sollte das hier der Archiveintrag seines Personalbogens als Schreiberlehrling bei der Beuthener Stadtverwaltung sein.

Womöglich Johannes' Bruder war Karl (oo mit Johanna Ullrich), der ebenfalls Gerichtskanzlist war in Beuthen um 1905 (wohnte in derselben Adresse wie Johann (Senior)). Er arbeitete dann in den 1920er Jahren in Liegnitz am Gericht - bitte nicht verwechseln!

Nicht direkt dazu gehörte ein dritter Pientok in Beuthen/Oberschlesien. Dabei handelt es sich um den Volksschullehrer Rochus Pientok (+1930), der aus dem Kreis Oppeln stammte. Tragische Geschichte: Dessen 16jähriger Sohn hatte mit einem geladenen Revolver vor dem Unterricht im Beuthener Gymnasium herumgespielt. Es löste sich ein Schuß, der einen Mitschüler tödlich traf - den Sohn des Beuthener Oberbürgermeisters. Hatte damals viel Aufsehen verursacht. Siehe hier, Seite 6 ('Beuthener Nachrichten').

Ich wünsche viel Erfolg bei der Urkundenbeschaffung!

JoelTan
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Re: Wenzkowski / Pientok

Beitrag von JoelTan » 25.11.2019, 09:15

Lieber Herr Kleinschmid,

.... obwohl ich an meinem aktuellen Buch schreiben müsste, betreibe ich derzeit nur noch Ahnenforschung ... Das wird mich noch in Schwierigkeiten bringen :lol:

Ich habe Gwidon gefunden - den Bruder meiner Oma Ursula Pientok - und noch mehr!

Mir liegt ein Dokument vor, in dem vermerkt wurde, dass der "Soldat Graf Guido Pientok" am 22.4.1945 gefallen ist und in der Nähe des Gardasees beerdingt wurde. Das Schreiben ist gerichtet an "Frau Gräfin Ursula Pientok".

Ich möchte wegen der Anrede ja nicht gleich durchdrehen vor Freude, aber mein Historiker-Herz schlägt jetzt schon ein bisschen schneller. Kann es wirklich sein, dass wir gräfliches Blut in der Familie haben? Oder war das evtl. nur eine besonders höfliche Anrede - aus Rücksichtnahme ob der schlechten Nachricht vom Tod ihres Bruders? Meine laienhaften Rechercheversuche in Richtung Pientok'sche Grafschaft haben kein Ergebnis gebracht ...

Ich schicke Ihnen das Dokument per PN.

Herzliche Grüße
Zuletzt geändert von JoelTan am 25.11.2019, 10:44, insgesamt 1-mal geändert.

Kleinschmid
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Re: Wenzkowski / Pientok

Beitrag von Kleinschmid » 25.11.2019, 10:32

JoelTan hat geschrieben:
25.11.2019, 09:15
.... betreibe ich derzeit nur noch Ahnenforschung ...
Das ist ganz normal, kein Grund zur Sorge ...

Schönen Dank für die Zusendung der Kopien - die ich in Ruhe studieren werde.

Vorab der Hinweis zu Ursulas Bruder:
Nach vorheriger u. kostenfreier Anmeldung läßt sich auf der Seite des Volksbundes, hier Gräbersuche, dazu anzeigen:
Guido Pientok, * 25.2.1925, + 22.4.1945, Gefreiter, beerdigt auf der Kriegsgräberstätte in Costermano, Endgrablage Block 7, Grab 1667.

Auch wenn auf der Karteikartei aus Posen als Geburtsdatum der 14.2.1925 steht, kann es sich hier nur um den Bruder handeln. Insofern sind wir auf der richtigen Spur - Gratulation.

Ich hatte damit anfangs dieses Themas eigentlich nicht gerechnet.

Kleinschmid
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Re: Wenzkowski / Pientok

Beitrag von Kleinschmid » 25.11.2019, 11:38

1.) Gräfin Pientok
Zunächst der Hinweis für die Mitleser: Das fragliche Dokument ist mit Maschine geschrieben - es liegt also kein Lesefehler vor. Ursula und ihr Bruder werden darin als Gräfin und Graf tituliert. Es gibt ein Krefelder Adreßbuch von 1973. Da könnte man nachschlagen lassen, unter welchem Namen Ursula dort in Erscheinung trat. Vielleicht hatte sie sich den Titel nur zugelegt, um die Nachfragen betref. ihres Bruders zu befördern.
Die Abkürzung der Einheit bedeutet übrigens: 3. Kompanie, Panzerjäger-Abteilung 51 - siehe auch hier.

2.) Geburtsurkunde von Ursulas Vater aus Glatz
Ich gratuliere - das haben Sie gut gemacht! Auf die Idee, nach der Schreibweise 'Pientck' zu suchen, bin ich leider nicht gekommen. Damit können wir an der Stelle 'den Sack zumachen'. Ursula war also nachweislich die Enkelin des Werkmeisters u. späteren Landgerichts-Kanzlisten Johann Pientok.

3.) Die Sache mit Zelewsky u. Patzlaff suche ich noch raus, schreibe ggf. dazu im entspr. Thema weiter.

Kleinschmid
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Stammbaum Pientok aus Oberschlesien

Beitrag von Kleinschmid » 25.11.2019, 17:55

Abschließend betref. Pientok in der Zusammenfassung der Stammbaum mit den entspr. Nachweisen. Bei den Angaben aus den Ortsfamilienbüchern habe ich zumindest die Trauungen aus den Kirchenbüchern rausgesucht.

?? Georg Pientak, *~1697 Polnisch Krawarn/Makau, + 2.7.1756 Widow, oo Marena ?, *~1710, + 13.3.1779 Makau
- Jacob, *~1733 Polnisch Krawarn, + 18.10.1783 Eiglau, Tagelöhner, oo 13.01.1765 Bauerwitz Johanna Kurzid, * 13.10.1739 Eiglau
- - Anton, *~ 1767 Eiglau, Häusler, oo 28.1.1794 Bauerwitz Rosalia Gorczitz, * 5.9.1773 Jernau
- - - Valentin, * 13.2.1797 Eiglau, + Eiglau, Häusler, oo 21.7.1829 Bauerwitz Apollonia Knoppick, *~1811 Jernau, + Eiglau
- - - - Anton, *~1838 Eiglau, + 6.4.1912 Fürstlich Langenau, Webermeister, ooI. Maria Klein, ooII. Maria Kaluschka
- - - - - Anton, * 14.4.1867 Katscher, + 14.2.1940 Leobschütz, Gerichtskanzleigehilfe in Liegnitz (1898), Versicherungsbeamter, oo Maria Juretschke
- - - - - - Georg Anton Eduard, * 3.11.1897 Liegnitz, I. Weltkrieg: im IR 157, 1918 vermißt, in Gefangenschaft, 1919 entlassen, Friseur, oo 27.7.1915 Leobschütz Magdalena Beier
- - - - - Johann, * 6.4.1864 Katscher, + verm. Bauerwitz, Werkmstr. am Gerichtsgefängnis in Glatz, später Kanzlist an den Gerichten in Liegnitz, Beuthen/OS u. Breslau, ooI. Auguste Wilhelmine Charlotte Damm, ooII. 10.4.1920 Beuthen/OS Selma Lerch, * 13.3.1879 Friedenshütte (Beuthen)
- - - - - - - Gertrud, * 14.8.1895 Glatz
- - - - - - - Johannes Max Paul, * 2.9.1891 Glatz, + Posen ?, Schreiberlehrling in Beuthen/OS um 1905, Gerichtskanzelist im poln. Posen um 1939, oo (kirchlich) 14.1.1919 Posen Helene Johanna Beychler, * 9.3.1882 Posen
- - - - - - - - Guido Valentin, * 25.2.1925 Posen, gefallen als Gefreiter in 3./Pz.Jg. A. 51 am 22.4.1945 Abano Terme bei Padua, Bg: Kriegsgräberstätte in Costermano, Endgrablage Block 7, Grab 1667 [Datenbank Volksbund]
- - - - - - - - Ursula Anna, * 25.6.1920 Posen, + 15.1.2002, 1972 von Polen in die BRD übergesiedelt
(Vater für nachfolgende Söhne verm. Henryk Wenzkowski / Wiczkowski / Węczkowski)
- - - - - - - - - Gregor Thomas Pientok, * 12.10.1951 Zoppot bei Danzig
- - - - - - - - - Peter Pientok

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