Auf der Suche nach einem "Missing Link"

Hier ist der richtige Ort, um über Stammbäume und die Herkunft von Namen zu diskutieren
This is the location to discuss family trees and the origin of names

Moderator: Christian Ader

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Maxgro
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Auf der Suche nach einem "Missing Link"

Beitrag von Maxgro » 29.05.2016, 14:12

Liebe Genealogen,

ich möchte mich mit einem Problem an Sie wenden, da ich in meiner eigenen (amateurhaften) Familienforschung an einer Stelle "festhänge". Mein Name ist "Groß" und ich habe meine väterliche Linie zunächst anhand von Ortsfamilienbüchern nachverfolgt. Anschließend habe ich die dort zu findende Linie anhand der Quellen (Kirchenbücher) selbst nachverfolgt, um die Angaben zu verifizieren (mit der Arbeit mit originalen Quellen aus dem 17./18. Jahrhundert bin ich zum Glück als Historiker der Frühen Neuzeit vertraut).

Dabei bin ich auf folgendes Problem gestoßen: Ich kann anhand der Kirchenbücher sicher nachweisen, dass ich von einem Valentin Gros abstamme, der laut Totenbuch 1747 in Habach (Saarland) gestorben ist. Leider ist im Taufbuch der Kirchengemeinde Eppelborn, das erst 1708 beginnt, kein Eintrag für seine Taufe zu finden. Das Ortsfamilienbuch gibt allerdings an, dass er der Sohn eines Johann Ludwig Gros aus Bubach gewesen sei, und dieser wiederum der Sohn eines Franz Graß aus St. Wendel. Tatsächlich habe ich im Totenbuch der Kirchengemeinde Eppelborn einen Eintrag gefunden, der besagt, dass Johann Ludwig Gros 1742 gestorben ist. Sonst aber keinen Eintrag zu seiner Person. Die Kirchenbücher von St. Wendel enthalten für dessen angeblichen Vater Franz Graß nur den einen Eintrag, dass er 1649 in Sankt Wendel eine Barbara Wagner aus Calmesweiler geheiratet hat und sein Vater Jakob Graß hieß. Das passt zwar alles recht gut zusammen (Heirat von St. Wendel nach Calmesweiler bei Bubach, dort wird der Sohn Johann Ludwig geboren, der lebt sehr lange bis 1742, und hat einen Sohn namens Valentin, der 1747 stirbt), aber ich habe keinerlei Belege dafür, dass besagte Personen wirklich so voneinander abstammen.

Wie also sind die Autoren des Familienbuches darauf gekommen, diese Verbindung so darzustellen? Haben sie das vielleicht per Ausschlussverfahren gemacht, weil es die einzigen Personen dieses Nachnamens zu der jeweiligen Zeit in St. Wendel und Eppelborn/Bubach/Calmesweiler gewesen sind? Wo könnte ich nach Belegen für diese Abstammung suchen? Es wäre sehr schön, wenn ich diese Verbindung beweisen könnte, weil ich damit meine Abstammung in direkter männlicher Linie von Jakob Graß abstamme, der 1607 in St. Wendel als Besitzer eines Hauses und Steuerzahler belegt ist.

Für alle Tips und Hinweise bin ich Ihnen sehr dankbar!

Mit den besten Grüßen aus Paris

Maximilian Groß
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NEC TEMERE NEC TIMIDE

Joachim v. Roy
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Familienforschung im Raum St. Wendel

Beitrag von Joachim v. Roy » 30.05.2016, 16:58

Vielen Dank für die detaillierten Ausführungen.

Die dargelegte Stammfolge schaut zwar überzeugend aus, doch läßt sie sich nicht beweisen. Ich selbst
würde bereits die nicht belegte Abstammung des Valentin Gros (+ 1747) von dem genannten Johann Ludwig Gros (+ 1742) in Zweifel ziehen.

Bei den Verfassern der Ortsfamilienbücher weiß man doch nie, ob die - oft im Team arbeitenden - Autoren wirklich sämtliche Kirchenbücher des von ihnen bearbeiteten Gebiets erfaßten und ob sie die verfügbaren Bücher dann auch wirklich korrekt lasen (ist der Wandel von Graß in Gros über jeden Zweifel erhaben?). Doch selbst dann, wenn die Daten der Autoren wirklich zuverlässig sein sollten, dann dürften ihre Schlußfolgerungen („Ausschlußverfahren“) doch erheblichen Zweifeln begegnen. Um die in Rede stehende Stammfolge zu untermauern, müßte man sämtliche Kirchenbücher des Großraums Sankt Wendel persönlich durchsehen.

Freundliche Grüße vom Rhein

NEC TEMERE NEC TIMIDE - einst die Devise der Hansestadt Danzig.

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Re: Auf der Suche nach einem "Missing Link"

Beitrag von Maxgro » 10.06.2016, 10:04

Lieber Herr von Roy,

herzlichen Dank für Ihre Antwort! Da bin ich ganz auf Ihrer Seite; besagter Johann Ludwig Gros (+ 1742) müsste zumindest sehr alt geworden sein, da seine vermutlichen Eltern bereits 1648 geheiratet haben.

Wenn Sie sagen, man müsste sämtlichen Kirchenbücher der Region untersuchen: Glauben Sie, dass dabei viel Aussicht auf Erfolg besteht, wenn die kath. Gemeinden Eppelborn und St. Wendel (deren Kirchenbücher ich komplett durchforstet habe) die einzigen Pfarrgemeinden sind, die für die Orte, in denen besagte Personen nachweislich gelebt haben, zuständig waren? Ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind außerhalb des Wohnortes geboren und dort getauft wurde, nicht sehr gering? Ich frage das, weil mir selbst die Erfahrung fehlt. Ich werde in jedem Fall noch versuchen, die Autoren des Buches zu kontaktieren.

Der Wandel von Graß zu Groß lässt sich ziemlich sicher belegen, da in den Steuerlisten und Kirchenbüchern von St. Wendel um 1600 herum mal "Graß" (oder "Graaß"), mal "Croß", mal "Groß" als Schreibweisen für dieselbe Familie auftauchen (es gibt immer nur einen Steuerzahler mit einem dieser Namen pro Jahr, erst ein gewisser Hans, dann seine Witwe Else, dann deren (wahrscheinlicher) Sohn Jakob, der wie gesagt als Vater des besagten Franz belegt ist, von dem dann angeblich der erwähnte Johann Ludwig abstammen soll).

(Die Devise habe ich damals tatsächlich von Danzig übernommen. Es ist aber nicht die Familiendevise, davon gibt es keine. Ich selbst verwende mittlerweile "Veritas libera me" in Alehnung an Joh.)

Mit besten Grüßen aus Paris
Maximilian Groß

NEC TEMERE NEC TIMIDE

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