Hier braucht ein Lehrer Hilfe...

Hier ist der richtige Ort, um über Stammbäume und die Herkunft von Namen zu diskutieren
This is the location to discuss family trees and the origin of names

Moderator: Christian Ader

R. Möckel
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Hier braucht ein Lehrer Hilfe...

Beitrag von R. Möckel » 02.02.2007, 14:30

Hallo,
ich benötige Hilfe bei der Klärung einiger Familiennamen. Ich bin Lehrer an einer Hauptschule, und ich bin mit meiner Klasse 7 in Geschichte im Mittelalter. Historisch hat es ja in dieser Epoche mit den Familiennamen angefangen bzw. diese wurden verstärkt notwendig, und die Kids sind ja jetzt natürlich "scharf drauf", etwas über die Herkunft bzw. die Bedeutung ihrer eigenen Nachnamen / Familiennamen zu erfahren. Fernziel ist dann fächerübergreifend der Entwurf eines, wenn möglich, redenden Familienwappens, nach heraldischen Regeln.
Bei Müller oder Neumann eine Herkunft / Bedeutungsfindung des Namens ja noch nachvollziehbar, aber bei einigen Namen hat mir auch intensive zweitägige Recherche im Internet nicht ganz weiterhelfen können.
Aber vielleicht kann das jemand von Ihnen.
Die fraglichen "Exoten"-Namen sind:

Geuskens, ten Voorde (jaaaa, wir sind hier am Niederrhein, in Rheinberg /Borth, nicht weit weg von der Oranje Grenze :D )
Theißen (von Matthias?)
Magdziak (polnisch? "Söhnchen der Magdalena"?)
Tzeuschner (?)
Ruch (starkbärtig, stark behaart?)
Winner (?)

Ich würde mich mit den Schülern sehr über jede Info hinsichtlich der Namensbedeutung, aber auch geographischer Herkunft freuen.
Mit besten Grüßen und Dank im Voraus,
Reinhard Möckel

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Claus J.Billet
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hm...

Beitrag von Claus J.Billet » 02.02.2007, 14:42

@ Herr R. Möckel

Hier ein kleiner Tipp,
schauen Sie mal rein:
http://www.duden.de/duden-suche/werke/f ... n.tt1.html
:lol:
...oder sehen Sie hier nach:
http://www.familie-greve.de/modules.php ... file=index
www.Wappen-Billet.de
M.d.IDW.
M.d.WL.
M.d.HGW.
M.d.MWH.
M.d.H.

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Hendrik Kutzke
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Beitrag von Hendrik Kutzke » 02.02.2007, 16:03

Moin Herr Möckel,

ich weiß ja nicht ob Siebenklässler schon so viel "Geschichte" ertragen ?:)
Eine wäre so:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geusen
siehe unter <geuzen>
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I. ... -Nassau%29

Was den FN Geuskens betrifft, würde ich eine Verkleinerungsform von einem RN mit dem Erstglied <Gode-> favorisieren.

ten Voorde ist eindeutig ein sehr verbreiteter Wohnstättenname, hier „zur Furt“.

Furt = eine flache Stelle in einem Bach - oder Flusslauf an denen das Gewässer zu Fuß oder mit Fahrzeugen überquert werden kann.

Die anderen Namen bitte bei www.familie-greve.de nachfragen.

Hendrik Kutzke

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Hendrik Kutzke
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Beitrag von Hendrik Kutzke » 02.02.2007, 19:07

Vielleicht ein paar Worte zu den Bedeutungen aus sogenannten Namenlexika.
Diese sind immer mit Vorsicht [!] zu genießen, weil sie je nach Couleur nur den sprachlichen Teil bearbeitet haben, oder andere Spezialitäten aufweisen.

Nehmen wir mal ein Beispiel:
Claus empfiehlt den Duden-Namenlexikon.:wink:
Schauen wir mal beim FN Möckel nach: 8) :-)
Mockel, Möckel: Ableitungen von →Mock mit -l-Suffix.
Mock, Möck, Mocke: Übernamen zu mittelhochdeutsch mocke, frühneuhochdeutsch moch >Klumpen, Brocken<; bildlich >plumper, ungebildeter Mensch<.

Ich kann alle Namenträger beruhigen, das ist nicht die Lösung!
Um jedoch an die Lösung zu gelangen bedarf es einer aufwendigen Recherche, die mit der Familien- und Ahnenforschung beginnen muss.

Hendrik Kutzke

Joachim v. Roy
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Beitrag von Joachim v. Roy » 02.02.2007, 19:17

Anmerkung zum Namen M a g d z i a k :

Dieser Familienname ist heute in Polen sowie in verschiedenen US-Bundesstaaten weit verbreitet. Auch gab es eine deutsch-polnische Familie dieses Namens, welche bereits ab 1 8 2 2 in der - zur Provinz Posen - gehörenden Ortschaft
O s t r o w ansässig war (bis 1918 gehörte die Provinz Posen bekanntlich zum Deutschen Reich).

Freundliche Grüße vom Rhein

P.S. Über den Ursprung und die Bedeutung des Familiennamens Magdziak wage ich nicht zu spekulieren.

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Hendrik Kutzke
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Beitrag von Hendrik Kutzke » 02.02.2007, 19:38

Joachim v. Roy hat geschrieben: P.S. Über den Ursprung und die Bedeutung des Familiennamens Magdziak wage ich nicht zu spekulieren.
... ich auch nicht :lol:

Der Weg, den Jochen aufzeigt, ist genau der richtige!
Mein Tipp dazu (zu Magdziak): http://www.g-glombiewski.de/

Hendrik Kutzke

Joachim v. Roy
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M a g d z i a k

Beitrag von Joachim v. Roy » 02.02.2007, 20:40

Wenn man dem freundlichen Hinweis von Hendrik Kutzke auf das sogenannte „Ermland“ nachgeht, dann findet man, daß der Familienname M a g d z i a k auch in O s t p r e u ß e n beheimatet war. Näheres zu der ostpreußischen Familie Magdziak läßt sich folgendem Werk entnehmen:

Georg Kellmann, Die Kirchspiele Groß Kleeberg und Klaukendorf mit allen Ortschaften ..., Mannheim 1993, 528 Seiten (das Buch befindet sich u.a. in den Bibliotheken Münster, Düsseldorf, Dortmund, Herne und Trier, von wo es im Rahmen der Fernleihe ausgeliehen werden kann).

In den von mir geprüften Registern der „Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands (ZGAE)“, Bände I-XXIII (1860-1929), wird die Familie Magdziak nicht genannt.

MfG

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Magistri
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Ruch

Beitrag von Magistri » 03.02.2007, 16:16

Das deutsche Namenslexikon von Hans Bahlow führt zum FN Ruch aus:
niederdeutsch Rau(h) ! meint den Rauhhaarigen, übertr. auch den
Rauhb einigen, Groben.
Rau, Raue, Rauh, Rauer - 1265 Ruhe = 1269 der ruhe; 1436 Rawe,
11450/51 Rauwe. Übername zu mittelhochdeutsch ruch, ru(he),
rouch "haarig, struppig"; rauh, herbe, hart, strenge, unwirsch, ungebildet.


Peter
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Winner

Beitrag von Magistri » 03.02.2007, 16:27

Winner(s) - nach dem Dt. Namenslexikon ndd-obd. Gwinner
Gewinner mittelhochdeutsch gewinnen: durch Arbeit oder Mühe zum Erwerb
und Vermögen kommen. Eberhard Gwinner 1456 Eßlingen.


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Bas den Brok
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Beitrag von Bas den Brok » 04.02.2007, 14:27

Hendrik Kutzke hat geschrieben:Was den FN Geuskens betrifft, würde ich eine Verkleinerungsform von einem RN mit dem Erstglied <Gode-> favorisieren.
Würde ich auch. Die Familennamen Geuskens, Gooskens, Goossens, Goossen sind Patronymen. Sie kommen vor Allem im niederländischen Brabant und Limburg viel vor und werden abgeleitet von der Vorname "Goos" (Goswin, Gosuin, Gozewin Gozuin, Godzuin, Godwin ...). Verkleinerung "-ke" (Gooske, Geuske), älterer schwacher Genetivverbeugung "-en" (goos, goossen); neuerer starker Genetivverbeugung "-s" (goossen, goossens).

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Re: Hier braucht ein Lehrer Hilfe...

Beitrag von Bas den Brok » 04.02.2007, 15:41

R. Möckel hat geschrieben:Theißen (von Matthias?)
Ja, von Matthias.

"Thijs" oder "Tijs" war ein viel vorkomender niederländischer Vorname. Familienname "Thijssen" kommt sehr viel vor in der niederländischen provinz Limburg, genau an der anderen Seite der "Oranje Grenze" (von Ihnen aus gesehen).

Die Verbreitung der FN "Theißen" in Deutschland zeigt eine Zunahme in Richtung niederländischer Grenze genau dort wo niederländisch "Thijssen" am meisten vorkommt.

Auf "korrekt" Niederländisch (eigentlich: Holländisch) spricht man heutzutage die FN "Thijssen" aus als: Tεisən. Früher aber (und immer noch im lokalen limburgschen Dialekt) sprach man von: Tisən. Davon ausgehende, dass die deutsche FM "Theißen" aus niederländisch Limburg stammt, wurde die Name hier also nicht phonetisch korrekterweise mit "Thissen" auf deutsch übersetzt, sondern, sagen wir mal, von einem (über)fleissigen Beamten, vermutlich erst phonetisch hollandisiert und dann phonetisch verdeutscht zu "Theißen" (was dann hochdeutsch phonetisch "taisən" wird).

Ob das alles auch wirklich stimmt, müsste man natürlich in den alten Akten nachschauen.

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Markus
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Beitrag von Markus » 04.02.2007, 17:31

Interessant, zumal mein Name ja den gleichen Stamm hat, s. auch die Bemerkungen zu meinem Wappen.
Heraldische Grüße
Markus

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Hendrik Kutzke
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Beitrag von Hendrik Kutzke » 04.02.2007, 18:00

Bas den Brok hat geschrieben:Die Familennamen Geuskens, Gooskens, Goossens, Goossen sind Patronymen. Sie kommen vor Allem im niederländischen Brabant und Limburg viel vor und werden abgeleitet von der Vorname "Goos" (Goswin, Gosuin, Gozewin Gozuin, Godzuin, Godwin ...). Verkleinerung "-ke" (Gooske, Geuske), älterer schwacher Genetivverbeugung "-en" (goos, goossen); neuerer starker Genetivverbeugung "-s" (goossen, goossens).
Moin Bas den Brok,

Du scheinst ja ein Kenner der brabantischen und niederländischen Namen zu sein.
Wie ist denn Deine Meinung zu WINNERS?
Ich würde den FN Winners so deuten:
Winners ist im niederdeutschen und holländischen Bereich meist ein Berufsname, für einen Bauern, Landarbeiter, Feldarbeiter.

Hendrik Kutzke

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Re: Ruch

Beitrag von Hendrik Kutzke » 04.02.2007, 18:11

Magistri hat geschrieben:Das deutsche Namenslexikon von Hans Bahlow führt zum FN Ruch aus:
niederdeutsch Rau(h) ! meint den Rauhhaarigen, übertr. auch den
Rauhb einigen, Groben.
Rau, Raue, Rauh, Rauer - 1265 Ruhe = 1269 der ruhe; 1436 Rawe,
11450/51 Rauwe. Übername zu mittelhochdeutsch ruch, ru(he),
rouch "haarig, struppig"; rauh, herbe, hart, strenge, unwirsch, ungebildet.
Hans Bahlow ist so ein "Spezialist". Vorsicht :!:
Diese Beschreibung ist für die Namenbedeutung Ruch unbrauchbar, sie gilt für den FN Rau.

Für den FN Ruch gibt es, je nach Vorkommen, mehrere Deutungen.

Hendrik Kutzke

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Beitrag von Bas den Brok » 04.02.2007, 20:14

Hendrik Kutzke hat geschrieben:Wie ist denn Deine Meinung zu WINNERS?

Ich würde den FN Winners so deuten: Winners ist im niederdeutschen und holländischen Bereich meist ein Berufsname, für einen Bauern, Landarbeiter, Feldarbeiter.
Die Familiennamen WINNER und WINNERS kommen meines Wissens heutzutage in Holland (die Niederlande) nicht vor; in Belgien WINNERS nur in Wallonien in der Gegend vom deutschsprachigen Eupen.

Dagegen gibt es die Familienname WINNEN, aber vor allem WIJNEN, letztere welche ein Patronym ist zur Vorname Wijn (von Wijnand, Winand, bzw. Walewijn, Boudewijn, Gosewijn, Goswin usw.; Wijn + schwacher Genetiv-Endung "-en")

Es stimmt aber, dass es früher, also, SEHR lange her, im 14. Jh., in den Niederlanden, den Beruf "Winner" gab. Ich weiss allerdings nicht, um was für Beruf es ging. Du findest es in dieser schönen Liste alter niederländischen Berufsnamen, wozu es ein Buch mit Erklärungen gibt, das ich leider (noch) nicht habe:

http://home.hccnet.nl/jb.glasbergen/beroep/inhoud.html

Ich glaube aber nicht, dass man Bauern, Landarbeiter, Feldarbeiter in Holland "Winner" nannte (vgl. ndl. Familienname DE BOER", phon.: də bu:r, deutsch: der Bauer).

Ob es ein (nieder)deutsches Beruf "Winner" gab, weiss ich nicht.

Die Familienname WINNER kommt in Deutschland heutzutage aber am meisten in Bayern vor, vor allem in der Gegend von Landshut, und ich frage mich, ob es dort nicht um einer Herkunftsname aus einer Ortsname "Winn" gehen könnte, also: "Winner: einer oder eine aus Winn". Es gibt zum Beispiel ein Dorf Winn (Postleitzahl 91227) bei Nürnberg, ein Winn (91567) bei Ansbach, ein Winn (92358) in der Oberpfalz ... alle drei nicht allzuweit weg von Landshut.

Dann gibts noch die deutsche Familienname WIENER (einer aus Wien, würde ich sagen) und vielleicht wurde aus WIENER im niederdeutschen gebiet WINNER (?).

Ob die namen der Dörfer Winn zu tun haben mit das ge-WINN-en (roden) von Land (???), und dass diejenigen, die das gemacht, "Winner" waren (???) oder, dass diese Dorfsnamen mit den Wenden aus der Römerzeit zu tun haben (vgl. Wien -> Vindobona; Augsburg -> Augusta Vindelicorum; Windisch bei Brugg in der Schweiz -> Vindonissa ... usw.) ??? (und nochmal drei Fragezeichen hinzugefügt!).

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